Friedenskampf im Doppelbett

Gegen Krieg lässt sich auf vielerlei Art protestieren. Die Form, die John Lennon und Yoko Ono vor 50 Jahren wählten, war die ungewöhnlichste.

Yoko Ono und John Lennon waren frisch verheiratet, als sie vor 50 Jahren medienwirksam im Amsterdamer Hilton-Hotel zusammen ins Bett gingen. Doch die von der Weltpresse erwarteten wilden Orgien blieben aus. Stattdessen nutzte das Paar seine Popularität, um mit einem "Bed-In" gegen den Krieg zu protestieren.

Auf die Idee dazu waren sie angesichts des Medienrummels während ihrer Hochzeit am 20. März 1969 auf Gibraltar gekommen. Der Beatles-Anführer und seine Frau beschlossen, die Aufmerksamkeit für eine "positive Botschaft" zu nutzen. Sie wollten mit "friedlichem Humor" gegen Gewalt und vor allem gegen den Vietnamkrieg demonstrieren.

Es war 23 Minuten vor Mitternacht, als sie vier Tage später von internationaler Presse umringt mit ihrem Rolls-Royce vor dem Luxushotel vorfuhren. Sie bezogen Suite 902 und blieben eine Woche im Bett. Das sorgte für weltweites Aufsehen und machte die eigenen Flitterwochen zum PR-Event. Dafür sorgten die Massen von Journalisten, die täglich zwischen 9 und 21 Uhr durch die Suite defilierten. "Jeder redet vom Frieden, aber keiner tut etwas dafür", diktierte Lennon in die Aufnahmegeräte der Reporter. Die Glasfront hinter dem Bett bot eine Aussicht auf Amsterdam und flutete das Zimmer mit Tageslicht, das aber durch Zigarettenqualm-Schwaden getrübt wurde. Dennoch wirkte der Raum hell: weißes Bett, weiße Möbel, weiße Bademäntel, weißer Flieder. Fenster und Wände zierten handgeschriebene Plakate mit den Parolen "Bed Peace" und "Hair Peace", über dem Bett hing ein Poster mit der Aufschrift "I love Yoko".

Ein weiterer Slogan lautete: "Make love - not war!" Auch forderte Lennon: "Lasst die Haare wachsen. Lasst sie wachsen - bis endlich der Friede da ist." Einem Reporter des kanadischen Senders CBC sagte er: "Wenn Hitler und Churchill im Bett geblieben wären, wären heute noch viele Menschen am Leben." Dabei hielten er und seine Frau in hochgeschlossenen Pyjamas nur Händchen. Einige Pressevertreter, die auf "nackte Tatsachen" gehofft hatten, waren enttäuscht - noch kurz zuvor hatte sich das Paar für das Plattencover von "Two Virgins" entblößt.

Diese Enttäuschung sorgte gerade bei den Boulevardmedien für Spott: Dem neuen Ehepaar gehe es nur um Vermarktung. Indirekt gab Lennon das später zu: "Wir saßen im Bett und redeten mit den Reportern. Es war urkomisch. Im Endeffekt machten wir einen Werbespot für den Frieden ..." Dennoch schrieb das "Bed-In" Popgeschichte und wurde zum Symbol für die Revolte der Jugend, die sich nun im Denken, Verhalten und Aussehen immer mehr von der Elterngeneration unterscheiden wollte. Ihre Woche in Amsterdam verewigte Lennon noch im selben Jahr auf der Beatles-Single "The Ballad Of John & Yoko". Wegen des Erfolges veranstalteten die Beiden zwei Monate später ein weiteres "Bed-In" in Montreal. Am 1. Juni dann wurde der Song "Give Peace A Chance" aufgenommen, der bis heute als epochale Friedenshymne gilt. Diese erste Single der "Plastic Ono Band" schaffte es unter die Top 20 der internationalen Hitparaden.

Yoko Ono ist mittlerweile 86 Jahre alt und immer noch für Kunst und Frieden aktiv, John Lennon wurde am 8. Dezember 1980 in New York von einem geistig verwirrten Attentäter erschossen. Heute erscheinen Yoko Ono die Aktionen naiv: "Wir glaubten tatsächlich, dass die Bed-Ins helfen würden, die Welt zu verändern. Aber die Bomben in Vietnam explodierten weiter." Dennoch hofft die Künstlerin, dass ihre Botschaft von 1969 auch den Aktivisten von heute "Ermutigung und Inspiration" liefert.

Übrigens: Die damalige Suite 902, die nach einer Modernisierung des Hotels die Nummer 702 erhielt, wird heute vom Hilton für knapp 2000 Euro pro Nacht als "John and Yoko Suite" vermarktet.

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