Großflächiger Ackerbau lässt Arten schwinden

In der Agrarlandschaft gibt es immer weniger Leben. Ein Stellhebel, damit sich das ändert, sehen Wissenschaftler in Brüssel.

Berlin.

Auf Äckern, Weiden und Wegrainen schwindet die biologische Vielfalt: Seit einigen Jahren mehrten sich die Hinweise, dass die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft stark zurückgeht, heißt es in einer Kurzstellungnahme von 16 Wissenschaftlern, die sich in einer Arbeitsgruppe, die unter anderem von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina getragen wird, mit dem Problem beschäftigen.

Die Expertengruppe schlägt in dem 24-seitigen Papier Alarm. Die Bestandsrückgänge zeigten sich in vielen Untersuchungen und spiegelten sich in den Roten Listen wider. Aus den vorliegenden Studien lasse sich "eindeutig ableiten", dass die Artenzahl, die Häufigkeit und die Biomasse von Tieren und Pflanzen stark rückläufig ist.

Die Gründe dafür sehen die Wissenschaftler in der Industrialisierung der Landwirtschaft: Die Zunahme von ertragreichen, aber artenarmen Ackerbaukulturen wie Mais, Raps und Weizen trage ebenso dazu bei wie Fruchtfolgen mit nur wenigen Feldfrüchten (Wintergerste/-weizen, Raps). Vor allem in Regionen mit intensiver Nutztierhaltung werde zu viel Mais angebaut. Der Mischfruchtanbau, der zeitgleich aus mehreren Kulturen besteht, sei nicht mehr gängige Praxis. Die Experten bemängeln, dass zu wenig robuste Sorten genutzt und Pestizide "vorbeugend und flächendeckend" ausgebracht werden. Die Überdüngung sowie die Gülleausbringung aufs Grünland sei eine Ursache für den Rückgang von Pflanzenarten und Insekten, die auf nährstoffarme Böden angewiesen seien. Und: Die Feldflächen seien größer geworden und Kulturen würden großflächiger angebaut. Durch die gleichzeitige Ernte gebe es keine Rückzugsmöglichkeiten für Vögel und andere Tiere. Mit dem Verschwinden von Baumreihen, Hecken, Feldgehölzen und Randstreifen sei Strukturvielfalt verloren gegangen - und damit auch Nahrung, Nistplätze und Verstecke für Vögel, Wildbienen oder Spinnen. Schutzgebiete in Agrarlandschaften (extensiv bewirtschaftetes Grünland) seien nicht groß genug und mangelhaft vernetzt. Auch fehlten Pufferstreifen, damit keine Pestizide aus umliegenden Flächen eingetragen werden. Einziger Punkt, für den die Landwirtschaft nicht verantwortlich ist: Immer mehr unversiegelte Flächen werden zugebaut.

Die Forscher empfehlen, die anstehende Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) zu nutzen, um Maßnahmen zum Schutz der Vielfalt zu finanzieren. So etwa sollte die Grundförderung (Direktzahlungen an Bauern) an die Auswirkungen der Landnutzung auf Umwelt und Biodiversität gekoppelt werden. Weiterer Vorschlag: Kreise und Städte müssten angeregt werden, den Artenreichtum auf ihren Flächen zu fördern.

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