Station für Pendelverkehr

Die Nasa hat Pläne für eine Raumstation, die den Mond umkreisen soll wie derzeit die ISS die Erde. Auf Dauer will man den Erdtrabanten zu einem Sprungbrett machen - für Missionen, die viel weiter hinaus ins All führen.

Zurück zum Mond? Von wegen! "Zum Mond bewegen wir uns vorwärts. Dieses Mal, um dort zu bleiben. Und mit dem, was wir auf dem Mond lernen, geht es weiter zum Mars." Diese Marschroute gibt Nasa-Chef Jim Bridenstine fürs nächste Jahrzehnt vor. Zwar funkte US-Präsident Donald Trump bezüglich der eigentlichen Nasa-Pläne jüngst dazwischen, indem er einen forscheren Zeitplan für die nächste Mondlandung der USA vorgab. Bis 2024 soll die passiert sein, nach dem Motto "America first". Immerhin tüfteln auch China und Russland an bemannten Missionen.

Gern aber lasse man sich auf die Herausforderung ein, erwiderte der Nasa-Administrator: Ein aufregendes Ziel, ambitioniert zwar, doch zeige die Geschichte: "Wenn der Präsident eine Aufgabe vorgibt und die Ressourcen und Mittel dafür stellt, können wir liefern", so Bridenstine.

Die Nasa selbst hatte sich zuvor 2028 als Zielmarke für die nächste bemannte Landung auf dem Erdtrabanten gesetzt. Danach allerdings sollen regelmäßig weitere folgen. Denn bis dahin soll es einen dauerhaften Außenposten auf einer Mondumlaufbahn geben, eine Raumstation namens Gateway, als Portal zum Mond, das später auch für Zwischenstopps auf dem Weg zum Mars genutzt werden kann.

So groß wie die Raumstation ISS ist Gateway nicht ausgelegt. Während die ISS Astronauten den Platz eines Sechs-Zimmer-Hauses bietet, soll Gateway ungefähr so groß sein wie ein Studio-Apartment. Wohnquartiere wird es geben, einen Forschungsbereich und, besonders wichtig, Andockstationen. Einer der wesentlichen Vorteile der Raumstation besteht nämlich darin, dass sie erlaubt, Landeeinheiten für den Transfer zum Mond und zurück als Mehrwegmodule immer wieder zu nutzen, statt die teuren Stücke wie bisher im All zurückzulassen.

Außerdem böte das über der Mondoberfläche kreisende Gateway Zugang zu fast allen Regionen des Erdtrabanten, wenngleich der Ort der ersten Missionen bereits festzustehen scheint: Der Fokus liegt auf der Südpolar-Region. In den Polarbereichen des Mondes wurden vor zehn Jahren Wasserreserven in Form von Eis beziehungsweise von Hydroxyl-Ionen im Gestein, so genanntem Regolith, entdeckt. Die Erkenntnisse stammen aus Daten, die die Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter 2009 lieferte. Die indische Sonde "Chandrayaan 1" hatte im selben Jahr ebenfalls Belege für "Wasservorräte" auf dem Mond geliefert. Tief in den Kratern Cabeus, Shoemaker und Faustini nahe dem Südpol des Mondes lagern, geschützt vor Sonnenlicht, offenbar gewaltige "Eismassen". Gelingt es, das Eis zu schmelzen, kann man Trinkwasser gewinnen und dieses mit physikalischen Verfahren in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Der Sauerstoff liefert eine Grundlage für Atemluft, die bei längerem Aufenthalt auf dem Mond dort produziert werden muss. Der Wasserstoff kann als Treibstoff für Raumfahrzeuge dienen. An Methoden, das Eis entsprechend aufzubereiten und so unabhängig von einer Versorgungskette von der Erde zu sein, forscht die Nasa gerade.

Doch zunächst zurück in die Umlaufbahn: Dauerhaft besetzt sein soll die Station Gateway nicht. Jeweils bis zu drei Monate können Astronauten dort verbringen. Computergestützt und von Robotern ausgewertet sollen Experimente aber auch im unbemannten Zustand auf der Station weiterlaufen und permanent Daten an die Erde liefern.

Zusammen mit sechs US-Unternehmen, darunter den Flugzeug-Herstellern Boeing und Northrop Grumman, entwickelt die Nasa derzeit Modelle für die Wohnmodule der Raumstation. Deren erste Teile, inklusive der Energieversorgung und des Antriebsmoduls, sollen nach aktuellem Zeitplan bereits in drei Jahren auf die rund 380.000 Kilometer lange Reise zum Mond gehen. Wenn die erste unbemannte Ladung angekommen ist, soll ihr eine vierköpfige Astronauten-Crew folgen - an Bord eines "Orion"-Raumschiffs. Sie nimmt weitere zwei Wohn- und Forschungsmodule mit. Jahr für Jahr folgen Missionen mit weiteren Teilen. Voll ausgebaut sein soll Gateway bis 2026.

Das derzeit im Test befindliche Raumschiff "Orion", für das die europäische Raumfahrtbehörde Esa die Steuerungseinheit liefert, und die Trägerrakete SLS (Space Launch System) bilden das Rückgrat der geplanten Mondmissionen, die nach Apollos Zwillingsschwester Artemis benannt sind. "Artemis 1" wird der erste unbemannte Flug um den Mond sein, mit "Artemis 2" folgt die erste Crew. Nicht nur beim Namen der Mission lässt die Nasa nunmehr geschlechtlich Emanzipation walten. Sie kündigte bereits jetzt an: "Bis 2024 werden der nächste Mann und die erste Frau auf dem Mond sein."

Erst zu Beginn dieses Monats verkündete die Nasa stolz den Erfolg eines Tests ihres "Orion"-Raumschiffs auf der Air-Force-Basis Cape Canaveral. Er diente dazu, auszuprobieren, ob es gelingt, das Passagiermodul im Gefahrenfall schnell von der Trägerrakete zu trennen. In der etwa dreiminütigen Testphase habe der Zusatzschub des Raumschiffs es vermocht, das Modul von der Rakete zu lösen und mit Extratempo vor ihr davonzufliegen, meldete die Nasa. Somit sei es möglich, Astronauten im Ernstfall schnell aus der Gefahrenzone zu bringen. Immerhin baue man im Moment "die stärkste Rakete der Welt", sagte Bill Hill von der Entwicklungsabteilung der Nasa-Zentrale in Washington. Eine Rakete eben, die Astronauten perspektivisch nicht nur zum Mond bringen soll, sondern später auch zum Mars.

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