Wie man den Sternschnuppen-Regen am besten sieht

Der Meteorenschauer der Perseiden erreicht in den Nächten zum Sonntag und zum Montag seinen Höhepunkt. Nasa-Experte Bill Cooke erklärt, wie man das Schauspiel am besten erleben kann.

Eine Perseiden-Sternschnuppe am 13. August 2015 über der Nordsee oberhalb des Sternbilds "Großer Wagen".

Für Sie berichtet: Jens Eumann

Mit etwas Glück wird die Show an diesem Wochenende eine ganz besondere: Jenes Spektakel, das der Meteorenschauer der sogenannten Perseiden jedes Jahr in den Nächten um den 12. August herum an den Nachthimmel zaubert. Ein kosmisches Feuerwerk.

Zwar rechnen Experten in diesem Jahr nicht unbedingt mit einer extrem hohen Anzahl von Sternschnuppen pro Stunde. Die kann in manchen Jahren, etwa 2016, bei bis zu 200 liegen. Diesmal sind rund 60 bis 70 Leuchtstreifen stündlich prognostiziert, rechnerisch immerhin mehr als einer pro Minute. Weswegen der Perseidenstrom 2018 trotz nur mittlerer Aktivität dennoch alle anderen Meteorenschauer wie die Geminiden im Dezember oder die beiden Leonidenströme im Februar toppen und das Meteorenschauspiel des Jahres werden soll, liegt an der günstigen Mondphase.

"Die Anzahl der Partikel, die in diesem Jahr auf die Erdatmosphäre treffen, wird zwar geringer sein, als im Jahr 2016", räumt Bill J. Cooke, Meteor-Experte der Nasa, auf Anfrage der "Freien Presse" ein. Allerdings fielen im Boom-Jahr 2016 viele der schwächeren Meteore wegen der Lichtverhältnisse kaum auf. Der Mond nahm wieder merklich zu. Genau das ist in diesem Jahr anders.

Die Nacht zum Sonntag ist eine Neumondnacht, in der ziemliche Finsternis herrschen dürfte, wenn der Himmel nicht gerade, wie in Großstädten üblich, durch Streulicht vom Boden aus erhellt wird. Und auch die dünne Sichel des wieder zunehmenden Mondes in der Nacht zum Montag ist bereits hinterm Horizont verschwunden, wenn die Perseiden-Aktivität ab Mitternacht ihren Höhepunkt erreicht.

"Dieses Fehlen von Mondlicht kompensiert die geringere Anzahl an Meteoren. Auch all die schwächeren werden zu sehen sein, weil es keinen zu hellen Himmelshintergrund gibt, der sie verschlucken würde", erklärt Bill Cooke. Am Marshall-Space-Flight-Center der Nasa im US-Staat Alabama leitet Cooke das Meteoroiden-Büro (Meteoroid Environment Office). Zu seinen Aufgaben gehört es, anhand bekannter Meteorenströme Risikoberechnungen für Weltraum-Missionen anzustellen. Cooke ist gewissermaßen der Mann, der Horror-Szenarien wie das aus dem Hollywood-Streifen "Gravity" verhindern soll, in dem zwei Astonauten - Sandra Bullock und George Clooney - sich plötzlich einem kosmischen Bombardement ausgesetzt sehen, auch wenn dieses nicht aus Meteoroiden, sondern aus Satellitentrümmern besteht.

Was die nach ihrem augenscheinlichen Herkunftsort, dem Sternbild Perseus, benannten Perseiden zusätzlich besonders macht, ist ihr hoher Anteil an Feuerbällen, einige davon sogar sogenannte Boliden. Die "Staubspur", die der Komet 109P/Swift-Tuttle auf seinem Weg durchs innere Sonnensystem hinterlässt und die die Erde auf ihrer eigenen Umlaufbahn um die Sonne alljährlich vom 17. Juli bis zum 24. August kreuzt, enthält Trümmerstückchen verschiedenster Korngröße. Die meisten sind zwischen sandkorn- und stecknadelkopfgroß, doch gibt es auch erbsengroße Körner und solche mit der Größe einer Murmel. Größe und Geschwindigkeit beim Eintritt in die Erdatmosphäre entscheiden über die Leuchtkraft. Perseiden-Körner treffen etwa mit einem Tempo von 60 Kilometern in der Sekunde, also 216.000 Stundenkilometern, auf die Atmosphäre. Beim Eintritt beginnen sie selbst zu verglühen und - was den eigentlichen Streifen darstellt - bringen Luftmoleküle um sie herum zum Leuchten. Als Feuerball bezeichnet man solche Körner, deren Leuchtkraft sogar die unseres extrem hell reflektierenden Nachbarplaneten Venus übertrifft. Größere Körner kann es abschließend regelrecht auseinandersprengen. Das macht einen Boliden aus. Dass allerdings ein Bruchstück als Meteorit auf der Erde landet, ist selbst bei diesen eher selten.

Die Umlaufzeit des Kometen Swift-Tuttle liegt bei 133 Jahren. Jährlich verleibt sich die Erdatmosphäre viele seiner Trümmerstücke ein. Droht der Meteorenstrom da irgendwann zu versiegen? Bill Cooke winkt ab. Die Staubspur des Kometen sei zwar nicht unerschöpflich. "Aber über Jahrtausende hat Swift-Tuttle genug Bruchstücke dagelassen, die Perseiden-Aktivität ziemlich konstant zu halten. Wir erwarten, dass das aktuelle Ausmaß über Hunderte von Jahren anhält."

Abschließend noch ein paar Tipps von der Nasa zum erfolgreichen Sternschnuppen-Gucken: Zunächst hofft Bill Cooke auf klare Nächte, da ein wolkenverhangener Himmel die Sicht nehmen würde. "Ich rate Beobachtern immer dazu, sich flach hinzulegen und einfach gerade nach ob zu schauen", sagt Bill Cooke. Man sollte also gar nicht zu sehr in Richtung Perseus schielen, wo die Meteore scheinbar ihren Ausgang haben? "Direkt auf Perseus zu schauen, ist gar nicht sinnvoll, weil die Meteore nahe dem Radianten nur kurze Spuren haben. Die beeindruckendsten Spuren sieht man ein Stück weg von Perseus", erklärt Cooke. Also: Füße Richtung Nordost, Kopf in den Nacken, Vorhang auf und wünsch dir was!

Der Meteorenstrom Perseiden

Das Sternbild Perseus, das derzeit wie eine Gartenhandharke mit nur zwei Zinken am Nordost-Himmel steht, ist scheinbarer Ursprung des nach ihm benannten Meteorenschauers. In etwa gleicher Richtung, wo in 93 beziehungsweise in 592 Lichtjahren Entfernung die Perseus-Sterne Algol und Mirfak leuchten, entspringen die Meteore, nur natürlich der Erde näher. Die Aktivitätszeit der Perseiden erstreckt sich vom 17. Juli bis

24. August mit einem Maximalausschlag am 12. oder 13. August (nach Mitternacht). Je näher die Erde der Kometen-Staubspur kommt, desto mehr Meteore sind zu zählen. Von 1991 bis 1993 gab es Extrem-Ereignisse mit bis zu 350 Meteoren stündlich.

Der Komet 109P/Swift-Tuttle, der 1862 entdeckt wurde, hat einen Kern von rund 26 Kilometern Größe. Das macht ihn etwa so groß wie den Himmelskörper, der vor 65 Millionen Jahren auf der Erde einschlug und die Dinosaurier auslöschte. Swift-Tuttle hat eine Umlaufdauer von 133 Jahren. Sein letzter erdnaher Vorbeiflug war 1992, der nächste wird 2126 sein. Eine zeitweise befürchtete Kollision mit der Erde steht nach jetzigen Berechnungen nicht im Raum. Zu einem extrem nahen Vorbeiflug soll es im Jahr 3044 kommen. Allerdings ist extrem nah in kosmischem Maßstab relativ sicher mit einer Entfernung von rund anderthalb Millionen Kilometern.

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

1Kommentare
👍0👎0 aussaugerges 11.08.2018 Es sind ja sehr helle Blitze aber sehr kurz.
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