Kultureller Einfluss von "Dorle" bleibt ungebrochen

Die Gelenauer trauern um Vereins-Urgestein Dorothea Herrmann. Sie prägte das Dorf auf ganz besondere Weise.

Gelenau.

Einerseits wird Gelenau nicht mehr sein, wie es mal war, denn mit Dorothea Herrmann wird am heutigen Donnerstag ein echtes Urgestein beerdigt. "Dorle hat diesen Ort kulturell geprägt wie keine andere", sagt Jaqueline Beyer über die Frau, die Anfang Juni im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Andererseits wird auch ohne sie weiterhin buntes Treiben im Dorf herrschen. Tief sind die Spuren, die sie hinterlassen hat.

"Sie hat so viel auf die Beine gestellt und war mit so vielen Vereinen verbandelt, das war einfach der Wahnsinn", sagt Jaqueline Beyer, die es wissen muss. Wie beispielsweise Marion Berger war auch sie eine langjährige Weggefährtin von Dorothea Herrmann und ließ sich von ihr inspirieren. Einzelne Höhepunkte gebe es nicht, dazu wurde einfach zu oft gefeiert, getanzt und gelacht. Und stets war Dorothea Herrmann die treibende Kraft, so Jaqueline Beyer: "Sie gestaltete zig musikalische Abende und Events und war dabei Sängerin, Schauspielerin, Rezitatorin und Moderatorin." All diese Fähigkeiten konnte die Gelenauerin vereinen, obwohl sie eigentlich aus der Landwirtschaft stammte. Das Theater kannte sie aus keinem Studium, dafür aber von zahlreichen Besuchen. "Schon in ihrer frühen Jugend war Dorle regelrecht heiß darauf, kulturell etwas zu unternehmen. Dabei hat sie sich viel selbst angeeignet", weiß Jaqueline Beyer aus vielen Erzählungen sowie dank der vielen Gedichte, die Dorothea Herrmann aus dem Stegreif zum Besten geben konnte.

Die Gelenauer Koryphäe stand aber nicht nur selbst im Rampenlicht, sondern rückte in dieses ebenso die anderen Menschen um sich herum, die sie für ihre Leidenschaft begeistern konnte. Und damit ist nicht nur ihr Mann Heinz gemeint, der am Klavier für die Begleitung sorgte. Zu DDR-Zeiten weckte sie im Gelenauer Kulturbund Interesse an Musik und Schauspiel, später wurde daraus der Dorfclub und dann der Erzgebirgsverein. Wie der Carnevalsclub so war auch Vetos Civitas ein Ergebnis von Dorothea Herrmanns Kreativität und Energie. "1989 hat sie junge Leute angesprochen und bei der 650-Jahr-Feier von Ehrenfriederdorf das erste historische Modespektakel auf die Beine gestellt", erinnert sich Jaqueline Beyer. Selbst die Jüngsten konnte sie begeistern, wie die Auftritte der Gälner Kinner beweisen. Sogar die Party zu ihrem 95. Geburtstag habe sie noch selbst organisiert: "Da ist sie noch einmal zu Höchstform aufgelaufen."

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