Kulturszene sortiert sich neu

Seit Monaten können viele kreative Angebote und Veranstaltungen aufgrund der Coronakrise nicht wie gewohnt oder gar nicht stattfinden. Die Szene sucht neue Wege.

Rochlitz/Sörnzig.

Ausstellungen in Rochsburg, Geringswalde sowie in Most in Tschechien sind für Ulf Günther und seine Mitstreiter aufgrund der aktuellen Pandemie seit März bereits ausgefallen. Auch Schulklassen, die den Verein "Muldentaler Intarsienkunst" im Seelitzer Ortsteil Sörnzig besuchen wollten, durften nicht kommen. "Wir finanzieren uns über solche Veranstaltungen sowie über Auftragsarbeiten - ohne diese wird es schwierig", sagt Ulf Günther. Seit 2019 ist er Vorsitzender des zehn Mitglieder starken Vereins - und kämpft an vielen Fronten für dessen Erhalt.

"Wir haben uns um Hilfe bei der Staatsregierung bemüht, die ist aber eher daran interessiert, Sportvereine zu unterstützen, hieß es. Wir sollten uns nach Berlin wenden." Zur Zeit könne der Verein von Rücklagen leben, erklärt der 69-jährige Vereinsvorsitzende. Aber wenn Veranstaltungen weiter ausbleiben, werde es zum Ende des Jahres eng. Und die Mitglieder müssen sich zusätzlich noch um eine neue Bleibe kümmern, denn der Vermieter hat dem Verein an seinem Standort in Sörnzig gekündigt. "Das hat aber nichts mit der Coronapandemie zu tun", so Ulf Günther. "Der Eigentümer möchte das Grundstück für sich selbst nutzen." Nun bündele der Verein seine Energien für die Suche nach einem neuen Standort.

Auch der Rochlitzer Toni Kästner hatte für das Jahr 2020 andere Pläne. Im vergangenen November ist der 35-Jährige mit seiner Handwerkskunst als Knochen- und Geweihschnitzer hauptberuflich in die Selbstständigkeit gegangen. Seine Produkte vertreibt er auf entsprechenden Märkten in ganz Deutschland. In Museen und Freilichtanlagen führt er zudem Erlebnis-Angebote durch.

"Im April war ich als Gästeführer und Workshopleiter ausgebucht", sagt Kästner rückblickend. Nichts davon konnte stattfinden. In Panik verfällt der Künstler bislang nicht. "Panik ist ein schlechter Ratgeber. Ich habe mich lange auf meine Selbstständigkeit vorbereitet, sodass ich auf eigenen Füßen stehen kann", erklärt der Rochlitzer. Schwierig bleibe es trotzdem. "Ich arbeite saisonal und müsste in sieben bis acht Monaten das verdienen, was andere in einem Jahr erwirtschaften." Kästner frustriere die Situation der Selbstständigen in Deutschland während der Pandemie. "Es gibt gut 200.000 Markthändler in Deutschland. Für uns ist die Absage großer Veranstaltungen quasi ein Berufsverbot." Gästeführungen, die Toni Kästner als historischer Kunsthandwerker leitet, finden inzwischen wieder statt. Gerade in diesem Bereich sei seit Corona eindeutig ein Trend auszumachen. "Wenn die Angebote vor der Pandemie oft aus Vorführungen des Handwerks mit pädagogischen Elementen bestanden, sind sie jetzt ganz klar mit einem pädagogischen Auftrag versehen. Das bestätigen mir Berufskollegen", so der Knochenschnitzer. Auch Schulen haben bereits angefragt.

Für Musiker Adrian Bolz von der Rochlitzer Band Themenwexel ist die Krise nicht existenzbedrohend. "Wir machen die Musik neben der Arbeit. Und als Krankenpfleger gab es für mich im Beruf keinerlei Einschränkungen", so der Rochlitzer. Der Zeitpunkt des Lockdowns sei dennoch denkbar ungünstig gewesen. "Wir haben gerade unser neues Album 'Gewissenslücke' herausgebracht. Die meisten CDs verkaufen wir natürlich auf Konzerten. Davon mussten gleich im März noch drei abgesagt werden", so Bolz. Auch das musikalische Ganztagesangebot, das der Musiker in der Oberschule an der Mulde anbietet, musste seither ausfallen. Der Ferienworkshop, den Bolz seit Mittwoch im Rochlitzer Jugendladen ausrichtet, ist in die Aula der Oberschule verlegt worden. "Dort haben wir ausreichend Platz, die Hygieneauflagen umzusetzen. In Singrichtung müssen zum Beispiel sechs Meter Abstand gehalten werden. Und auf Blasinstrumente haben wir verzichtet", fügt der Musiker hinzu.

Ulf Günther vom Verein Muldentaler Intarsienkunst in Sörnzig ist indes zuversichtlich. Der Verein führe derzeit Gespräche mit Museum für Volksarchitektur und bäuerliche Kultur in Schwarzbach, über die Möglichkeit, Vereinsräume in der Museumsanlage anzumieten.

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