Kunst statt Rummel: Die Kät in 13 Bildern

Lange werden die Werke auf einem Teil des Kätplatzes nicht zu sehen sein. Einer der nächsten Regengüsse wird sie wegspülen. Genau das war aber auch die Idee dahinter - ein Ausdruck der Vergänglichkeit. Was die Kreativen schufen, hat vor allem mit Tradition, Erinnerung und Lebensfreude zu tun.

Annaberg-Buchholz.

Der Blick in den Himmel und der Wetterbericht spielten bei diesem Kunstprojekt eine wichtige Rolle. Denn was seit einigen Tagen auf dem oberen Teil des Kätplatzes entsteht, hält Wasser auf Dauer nicht stand. Ein Kunstprojekt, bei dem das Verschwinden der Arbeiten schon beim Entstehen mit eingeplant ist.

Die Stadt Annaberg-Buchholz hat dafür 13 Künstler ins Boot geholt, um große Bodengemälde zum Thema Kät entstehen zu lassen. Der Großteil der Beteiligten stammt aus Annaberg-Buchholz und der Region. Außerdem waren Vertreter des Oberpfälzer Kunstvereins aus Weiden sowie aus Hamburg und Dresden dabei. Die einzigen Vorgaben der Stadt waren, dass die Bilder mit Farben auf Kreide-Basis auf den Asphalt gemalt werden sollten. Dadurch sollte die Vergänglichkeit dieses Vorhabens unterstrichen werden. Die Künstler ließen sich auf das Experiment ein.

Los ging es am Samstag, die ersten Skizzen und Motive wurden gemalt. Doch dann kam, was kommen musste - Regen. Von der historischen Kät-Szene des aus Großbritannien stammenden Wahl-Annabergers Glenn West blieb kaum noch was übrig. Er musste von vorn anfangen. Damit ihm das nicht ein zweites Mal passiert, holte er sich kurzerhand eine Wachstuch-Tischdecke und bemalte deren Rückseite - soviel künstlerische Freiheit sei erlaubt. Die lässt sich zusammenrollen und bei Bedarf in Sicherheit bringen. Die meisten stellten sich allerdings dem Asphalt. Jörg Seifert entschied sich für ein Kettenkarussell. "Ich wollte etwas Buntes", sagt der Vereinschef des Kunstkellers. Mit großen Formaten habe er keine Schwierigkeiten, nur die Kreide machte ihm ein wenig zu schaffen. Gleich daneben erinnert Jörn Michael mit dem für ihn typischen Zwerg an den Tag für Menschen mit Handicap. Normalerweise findet dieser in der Kätwoche donnerstags statt. Doch auch dieser Tag muss wie das gesamte Volksfest ausfallen.

Daher ist es kein Wunder, dass auch Corona in den großformatigen Bodengemälden aufgegriffen wurde. Mal taucht ein Abbild des Virus in einem der Bilder auf, mal tragen die Menschen Mundschutz. Letzteres ist bei Martina Leithenmayr der Fall. Ihr Bild soll der Betrachter sogar betreten, um Teil der Karussellfahrt zu werden. Sie findet es nicht schlimm, dass das Geschaffene wieder verschwindet. "Ich mache Fotos, dann bleibt es auch in Erinnerung", so die Oberpfälzerin. 13 Künstler bedeuteten auch 13 verschiedene Stile und Techniken. Ein Werk erinnert an eine riesige Kät-Briefmarke, ein anderes an einen Kättag im 19. Jahrhundert. Die Dreieinigkeit wird thematisiert, Autoscooter, Eisbär und Kätkamel sind auch dabei. Und natürlich das Riesenrad, das Symbol der Kät schlechthin.

"Uns war es wichtig, dass es vergänglich ist", so Franziska Herzig, Fachbereisleiterin unter anderem für Kultur. Das tatsächliche Ergebnis stehe nicht im Vordergrund. Vielmehr wollte die Stadt anlässlich 500 Jahre Kät ein Projekt ermöglichen, bei dem sich Künstler treffen. Mit den Bildern soll bei den Betrachtern die Vorfreude auf 2021 geweckt werden. Noch mal zurück zur Vergänglichkeit. Bis zum Wochenende werden die Kunstwerke bei Regen noch mit Planen abgedeckt, um sie zu schützen. Danach endet das Projekt und die Kät-Bilder werden dem Wetter preisgegeben. Wer sie also noch bewundern möchte, sollte sich beeilen. Und der ein oder andere Künstler ist auch noch nicht ganz fertig.

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