Licht der Nacht

Der Mond ist einer der ältesten Sehnsuchtsorte der Menschheit und zieht daher eine bemerkenswerte Bahn durch ihre Kunst- und Kulturgeschichte.

Nur eine gute Autostunde von Chemnitz kann man die älteste Monddarstellung der Menschheitsgeschichte bewundern: Die Himmelsscheibe von Nebra, verwahrt im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, zeigt gut erkennbar unseren Trabanten einmal voll und einmal halb - vor rund 4000 Jahren hielt ein unbekannter Künstler die Phasen mit Gold auf Bronze fest.

Es war der Auftakt einer langen Leidenschaft: Der Mensch hat den Mond unzählige Male gemalt und gezeichnet, bedichtet und besungen, vertanzt oder vertont. Selten schöner als Beethovens "Mondscheinsonate" oder Matthias Claudius‘ "Abendlied": "Der Mond ist aufgegangen / die goldnen Sternlein prangen / Am Himmel hell und klar". Der Mond war in der dunklen Tagesphase der Hoffnungsanker. Deshalb wird die Geburt von Jesus Christus häufig in einer Mondnacht dargestellt. In biblischen Motiven wie Jakobs Traum von der Himmelsleiter und der Flucht nach Jerusalem ist der Mond in den bildlichen Darstellungen mit von der Partie. Er erhellt auch die Szene, als König Salomo mit der Fürbitte nach Offenbarung und göttlicher Gerechtigkeit den Blick in den Nachthimmel hebt. Das ist neben dem Mond als Symbol natürlich auch der Malerei geschuldet, denn in der Schwärze der Ölfarben braucht es lichte Punkte: Da bietet sich der Mond einfach an.
In der christlichen Kunst zeigt sich der Mond aber auch als zwielichtiger Geselle, denn in den Nächten gehen auch schreckliche Gestalten um, Teufel und Dämonen, weshalb der Mond auch für Gottesferne stehen kann. Das mag umso mehr gelten, als dass der Mond in heidnischen Religionen verehrt und personifiziert wurde. Sonne und Mond galten hier oft als Liebespaar. In ostasiatischen und mittelamerikanischen Mythen erzählt man sich vom Kaninchen, das den Mond bewohnt. Als Mann im Mond spricht man im Westen über das von den Mondkratern inspirierte Gesicht, und hat es vielfach besungen: Von Paul Linckes Operette "Frau Luna" und dem "Mann im Mond" von den Prinzen bis hin zu R.E.M.s "Man on the Moon" und Fettes Brots "Supermann und Mondgesicht". Oder wie der Volksmund dichtet: "Punkt, Punkt, Komma, Strich - fertig ist das Mondgesicht."

Künstlerisch wirken auch die Aquarelle von Galileo Galilei, in denen er 1609 seine Mondsichten festhielt. Als erster Mensch überhaupt konnte er den Mond durch ein Fernrohr betrachten. Das änderte natürlich auch die Sicht, wie die Menschheit den Mond sah - und als Sehnsuchtsort darstellte. In den Gemälden niederländischer Meister scheint ein höchst plastischer Himmelskreis auf. Auch spätere Malergenerationen können vom kühl strahlenden Planeten nicht lassen, man denke an den Romantiker Caspar David Friedrich, seine "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" oder an Edvard Munchs symbolistischen "Mondschein am Strand". Natürlich wollte man ihm immer auch nahe kommen, nicht nur andere auf den Mond schießen, um sie nie mehr wieder sehen zu können. In Kindergeschichten wie "Peterchens Mondfahrt" und "Der kleine Häwelmann" reisen die Allerjüngsten zum Mond. Eine Rakete als Kanonengeschoss imaginiert Jules Verne in seiner "Reise zum Mond". Und obwohl im Juli 1969 mit dem Amerikaner Neil Armstrong wirklich der erste Mensch den Mond betrat und vermeintlich fassbar machte - bis heute hat der Erdtrabant nichts von seiner melancholischen Wirkung verloren.

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