Liegt im Moskauer Lenin-Mausoleum wirklich Lenin?

Ich war vor vielen Jahren noch zu DDR-Zeiten mal in Moskau und Leningrad. Auch im LeninMausoleum. Lag da wirklich Lenin drin? Vielleicht weißt Du näheres darüber? (Diese Frage hat Lutz Fritzsche aus Zwickau gestellt.)

Die Frage ist - speziell im Umfeld des 150. Geburtstages des sowjetischen Revolutionärs Wladimir Illitsch Lenin, den seine verbliebenen Parteigänger am 22. April begangen haben - durchaus berechtigt.

An dieser Stelle kann man feststellen: Ja, es ist möglich, einen menschlichen Körper nach dem Tode mit substanzerhaltenden chemischen Mitteln im Zusammenspiel mit streng kontrollierten klimatischen Bedingungen (Kälte, Luftfeuchtigkeit) so zu behandeln, dass es äußerlich so wirkt, als schlafe der Mensch nur oder sei zumindest eben erst gestorben. Wie genau Lenins Leichnam chemisch konserviert wurde, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Seit 1924 wurden alle Weichteile gleichmäßig mit balsamierenden und konservierenden Stoffen durchtränkt. Auf die Haut kam eine Lösung, die mehr oder weniger natürliche Farbe und Elastizität bewirkte. Lenins Gehirn wurde zu wissenschaftlichen Zwecken entfernt. In den 40er-Jahren stellte man allerdings Zersetzungserscheinungen an dem Leichnam fest, die nur unter großer Mühe aufgehalten werden konnten. Aktuell begutachten zweimal wöchentlich zwölf Wissenschaftler den Körper Lenins im Mausoleum, der bis in jüngste Zeit wiederholt substanzerhaltenden Maßnahmen unterzogen wird - chemische Vollbäder inklusive.

Wäre es nach Lenin selbst gegangen, wäre er nie auf Dauer öffentlich aufgebahrt worden. Er hatte vor seinem Tod verfügt, es dürfe kein Personenkult um ihn betrieben werden. Seine Familie, insbesondere seine Witwe Nadeschda Krupskaja, sprach sich gegen seine Einbalsamierung aus, aber Stalin setzte sich durch und verfügte, den Leichnam seines Vorgängers als Sowjetherrscher in Moskau öffentlich auszustellen - zunächst in einem provisorischen Mausoleum aus Eichenholz auf dem Roten Platz an der Kremlmauer. Mit dessen Bau wurde noch am 21. Januar 1924, dem Todestag Lenins, begonnen. Drei Tage später (!) war es fertig. Bereits im Sommer 1924 wurde ein größeres Mausoleum, ebenfalls in Eiche, errichtet, das ab 1930 ein Neubau aus rotem Granit ersetzte.

Allerdings hat Lenin - bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Uniform, seither in Zivil - dort nicht immer gelegen: Kurz nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die UdSSR 1941 wurde seine Leiche nach Westsibirien evakuiert und im Gebäude der Landwirtschaftsakademie der strategisch unbedeutenden Stadt Tjumen in einem speziell hergerichteten fensterlosen Raum verwahrt. Das Mausoleum wurde mit einer Tarnkonstruktion überbaut, um es vor Fliegerbomben zu schützen.

Übrigens fand Stalin nach seinem Tod 1953 Platz neben seinem Vorgänger. Daran änderte zunächst auch der Umstand nichts, dass in der Geheimrede Chruschtschows 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU Personenkult und Verbrechen Stalins thematisiert wurden und erste Zweifel aufkamen, ob er des Platzes neben Lenin würdig sei. Aber erst 1961 wurde Stalins Leiche ausgelagert und ein paar Meter weiter rechts an der Kremlmauer bestattet. (tk)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.