Millionen-Projekt liegt auf Eis

Städtischer Entsorgungsbetrieb prüft Alternativstandorte für Riesen-Regenbecken - Voraussichtliche Kosten haben sich mehr als verdoppelt

Es sollte schon seit Ende 2016 im Bau sein: ein 85 Meter langes und 38 Meter breites Regenüberlaufbecken in der Innenstadt. Als Standort für das Projekt des städtischen Entsorgungsbetriebes ESC hatte der Stadtrat den Stumpf der Brückenstraße in Richtung Chemnitz-Fluss ausgewählt. Doch seit Monaten ist es still geworden um das Vorhaben. Wie ist der aktuelle Stand? "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Warum haben die Bauarbeiten noch nicht begonnen?


Nach Angaben des Entsorgungsbetriebes ESC und der Stadtverwaltung sind die Pläne eigentlich fertig. Wegen der "sensiblen Rahmenbedingungen" am vorgesehenen Standort Brückenstraße gebe es aber noch immer Abstimmungsbedarf. In der Antwort auf eine Ratsanfrage der AfD hatte Bürgermeister Miko Runkel unlängst erklärt, dass für 2017 weitere Planungsleistungen für rund 745.000 Euro vorgesehen sind und noch keine verbindliche Aussage zur Bauzeit möglich ist. Sobald der Baubeginn feststeht, will der ESC die Anwohner informieren.

Soll das Becken nach wie vor an der Brückenstraße errichtet werden?

Für den Standort gelte unverändert der Ratsbeschluss vom März 2015, erklären ESC und Stadt. Allerdings habe sich der ESC "aufgrund der Investitionssumme, dem Maß der Belastung für die Anwohner und des insgesamt hohen öffentlichen Interesses für das Bauvorhaben" entschieden, die bisherigen Planungsstände, Kosten und Alternativen noch einmal zu überprüfen. Vor der Stadtratsentscheidung wurden 15 Varianten und Standorte für das Regenüberlaufbecken im Bereich Brücken- und Mühlenstraße sowie dezentrale Becken am Parkplatz an der Johanniskirche und am Bernsbachplatz verglichen. In die engere Wahl waren letztlich nur die Standorte an der Mühlenstraße/Ecke Georgstraße und auf dem Stumpf der Brückenstraße gekommen. Gegen den Bau an der Mühlenstraße sprachen vor allem die Pläne zur Entwicklung des Brühl-Viertels. Sie sehen am möglichen Standort des Regenüberlaufbeckens ein Wohnkarree vor.

Mit welchen Baukosten wird derzeit gerechnet?

Diese haben sich mehr als verdoppelt, was offenbar der Hauptgrund für die Überprüfung der Pläne ist. Im März 2015 waren die voraussichtlichen Kosten mit reichlich 16,5 Millionen Euro beziffert worden. Im November des selben Jahres räumte der ESC eine Erhöhung auf 19,2 Millionen Euro ein. Begründet wurde das mit zusätzlichem Aufwand, der sich aus den Ergebnissen der Baugrunduntersuchung ergeben habe. So müssten an der Brückenstraße das Fundament einer im Zweiten Weltkrieg zerstörten Industrieanlage beseitigt, die Baugrube durch einen massiven Wall aus Bohrpfählen gesichert sowie für den Hochwasserschutz das komplette Bauwerk tiefer gelegt und eine zusätzliche Pumpstation errichtet werden, wie es hieß. Derzeit gehe der ESC von Investitionskosten in Höhe von etwa 42 Millionen Euro aus. Als Hauptgründe dafür werden Hydraulik, Statik, der Baugrund und die enorme Dichte an Leitungen in der Innenstadt genannt. Die Kosten des Regenüberlaufbeckens, dessen Nutzungsdauer auf 40 Jahre angelegt ist, werden über die Abwasser- und Regenwassergebühren auf Haushalte und Unternehmen umgelegt.

Gibt es eine Frist, bis wann das Becken fertig sein muss?

Zum Bau des Regenüberlaufbeckens ist Chemnitz nach dem deutschen Wasserhaushaltsgesetz und dem Sächsischen Wassergesetz verpflichtet. Die Untere Wasserbehörde im Umweltamt hat der Stadt eine Frist zur Inbetriebnahme bis zum 21. Dezember 2021 gesetzt.

Wozu dienen überhaupt Regenüberlaufbecken?

Bislang fließen nach heftigen Niederschlägen Regen- und Abwasser wegen Überlastung des Kanalnetzes oft ungeklärt in den Fluss. Als Zwischenspeicher soll das Becken dies künftig verhindern.

Die Stadt wollte den Bau einer neuen Straßenbahntrasse und weitere Arbeiten auf Brücken- und Theaterstraße mit dem Bau des Regenüberlaufbeckens verbinden. Was wird jetzt daraus?

Die Neugestaltung des Innenstadtringes im Bereich Brücken-/Theaterstraße verzögert sich mit dem Becken-Bau. Der Stadtrat hat das Straßenprojekt von der Liste der Vorhaben gestrichen, die mit Fördergeld aus dem Investitionspaket des Freistaates verwirklicht werden. (mib)

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Interessierte
    05.05.2017

    Derzeit gehe man von etwa 42 Millionen Euro aus ...

    In Heinersdorf wurde 1999 die modernste Kläranlage der Republik gebaut und kostet wohl im Jahr 23 Millionen , die Gesamtkosten lagen wohl bei 300 Millionen und ist gedacht für 400.000 EW , die Chemnitz gar nicht hat ...
    So kam das mal im Sachsenfernsehen-Rückblick ...
    http://www.eins.de/region/besichtigungen/zentrale-klaeranlage/
    ...

  • 0
    1
    Interessierte
    05.05.2017

    Wenn ich mir das so anschaue, erscheint mir der Standort auf der Wiese zwischen der Schloßstraße und der Haase-Fabrik sehr günstig ?

    Dort wohnt auch niemand in nächster Nähe , den das stören könnte und die seltenen Bäume , die dort gepflanzt wurden , die sind noch so klein , dass man die auf das Schloßteichgelände verpflanzen / umpflanzen kann , da wird dieses auch wieder einmal etwas bunter , nachdem vieles abgeholzt wurde in den letzten 28 Jahren ...

    Ich frage mich aber immer noch , wenn in Heinersdorf ein Kläranlage für X Millionen gebaut wurde , warum man weitere 9 Kläranlagen in die Stadt baut , und das ausgerechnet auf ein Parkanlage mit großen Bäumen ...
    Will man , das in Heinersdorf sauberes Wasser ankommt ???

  • 2
    1
    FraktionAfD
    05.05.2017

    Richtig, cn3boj00, zumal das Punkthochhaus an der Georgstraße ja auch TROTZ des Masterplans Brühl saniert wird, obwohl dieser einen Rückbau des Gebäudes bis 2022 vorgesehen hätte. Entweder gilt das Konzept für ALLES oder NICHTS, und sollte das Punkthochhaus tatsächlich saniert werden, wäre das große Hauptargument gegen das Regenüberlaufbecken an der Georgbrücke gekippt!

  • 4
    0
    cn3boj00
    05.05.2017

    Wenn ich mir das so anschaue, erscheint mir der Standort Mühlen/Georgstraße doch einige Vorteile zu haben. Ein irgendwann in der Zukunft geplantes Häuserkarree sollte doch da eher kein Hinderungsgrund sein, wenn man abwägt, wie dramatisch hingegen in vorhandene Substanz an der Brückenstraße eingegriffen werden muss.
    Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, inwieweit das tatsächlich so ist und ob das noch ernsthaft in Erwägung gezogen wird. So gesehen eigentlich ein schlechter Artikel.



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