Bestattungswald am Rande von Hartenstein: Stadtrat unschlüssig

Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein würde gern mit der Kommune gemeinsam eine alternative Begräbnisstätte anbieten. Bürgermeister und einige Abgeordnete stehen der Idee skeptisch gegenüber.

Hartenstein.

In Sachsen gibt es bisher nur eine Möglichkeit für Waldbestattungen. Und zwar in Bennewitz bei Leipzig. Dabei möchten immer mehr Menschen ihre letzte Ruhestätte mitten in der Natur, direkt unter einem Baum, haben. Waldbesitzer reagieren auf diesen Trend und versuchen gemeinsam mit Kommunen sogenannte Bestattungswälder anzubieten. Callenberg hat bereits einen Antrag auf Genehmigung eines solchen im Landratsamt eingereicht. Auf Anfrage teilte die Behörde mit, dass er im Ordnungsamt abschließend bearbeitet werde. Man gehe davon aus, dass der Antrag genehmigt wird.

Auch Waldbesitzer Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein möchte solch ein Projekt verwirklichen. Bereits im Januar hatte Paul Jung von der Forstverwaltung Prinz von Schönburg-Hartenstein gemeinsam mit einem Vertreter der Friedwald GmbH zur Langenweißbacher Gemeinderatssitzung für Grabstätten im Wildenfelser Wald geworben. Es ging um einen 30 Hektar großen Laubwald in der Nähe des sogenannten Ochsenkopfes zwischen Hartenstein, Wildenfels, Grünau und Langenbach mit einem herrlichen Fernblick ins Erzgebirge. Der Langenbacher Rat hatte dem Vorhaben jedoch nicht zugestimmt.

Jetzt wartet Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein mit einer anderen Fläche auf. Sein Sohn, Prinz Alexander von Schönburg, informierte zur Stadtratssitzung am Dienstagabend, dass man gern gemeinsam mit der Stadt beim Landratsamt die Genehmigung für einen Bestattungswald oberhalb vom Freibad beantragen würde. Allerdings müsse man sich vorher einig darüber sein, ob man die Grundidee gut finde. Er betonte, dass mit solch einer Begräbnisstätte auf die Stadt keine Kosten zukommen würden. Betrieben werde diese von einer privaten Firma. Von Schönburg berichtete, dass es einen bundesweiten Trend zu dieser Alternative zum Friedhof gebe. Sie sei auch keine Konkurrenz zu Friedhöfen, weil nur 2,5 Prozent der Beisetzungen in Wäldern stattfinden würden. Mit dem Angebot wolle man den Großraum Zwickau abdecken. Für den Fichtenbestand mit Laubbäumen oberhalb des Bades spreche, dass er über ein Wegenetz verfügt und schon Parkplätze vorhanden sind. Man wolle auch weitere Laubbäume pflanzen.

Allein verwirklichen kann der Waldbesitzer seine Pläne nicht. Der Hartensteiner Stadtrat muss dem Vorhaben zustimmen, die Kommune den Antrag auf Genehmigung beim Landratsamt stellen und anschließend die Trägerschaft über den Bestattungswald übernehmen.

Bürgermeister Andreas Steiner (parteilos) machte darauf aufmerksam, dass die Stadt mit solch einer Trägerschaft eine langfristige Verantwortung eingehe. Außerdem gebe es zurzeit weitere Aktivitäten in Sachen Waldfriedhöfe in der Region, und es gelte abzuwarten, ob es sich um ein erfolgreiches Geschäftsmodell handele.

Stadtrat Martin Kunz (Bürgerliche Wählervereinigung) sagte, dass er den Standort für ungeeignet hält. "Es handelt sich vor allem um Fichtenwald. Und durch das Bad dringt den Sommer über Lärm dorthin." Auch Frank Russig (Feuerwehrverein) sprach sich gegen die Nutzung dieses privaten Waldstücks für Bestattungen aus. Nadine Sachs (CDU) sah indes keine Konkurrenz zu den kirchlichen Friedhöfen und fand das Konzept gut. Allerdings dürfe die Kommune kein Risiko eingehen. Die eindeutige Klärung eines solchen Risikos war auch Hans-Jörg Fiedler (CDU) wichtig.

"Wir sagen heute weder ja noch nein", fasste Steiner die Diskussion am Ende zusammen. Man wolle das Projekt erst noch auf Sicherheit und Nachhaltigkeit prüfen.

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