Grabstätte: Wildenfelser Wald

Es gibt Menschen, die wollen nach ihrem Tod mitten in der Natur ruhen. Am Rande von Langenbach könnte es bald so einen Ort geben.

Langenweißbach.

Bisher müssen die Urnen mit den sterblichen Überresten von Menschen, deren letzter Wunsch es war, in einem Wald bestattet zu werden, noch weit weg zur letzten Ruhestätte gebracht werden. In Sachsen gibt es nur eine einzige solche Möglichkeit in Bennewitz bei Leipzig. "Deshalb haben wir uns in der Region umgeschaut, wo weitere Friedwälder entstehen könnten", sagt Helge Hedtke von der Friedwald GmbH, die in ganz Deutschland bereits 56 Bestattungswälder betreibt.

Gemeinsam mit Paul Jung von der Forstverwaltung Prinz von Schönburg-Hartenstein hat sich Hedtke umgesehen. "Fündig geworden sind wir im Wildenfelser Wald. Da gibt es zwischen Hartenstein, Wildenfels, Grünau und Langenbach einen 30 Hektar großen Laubwald in der Nähe des Ochsenkopfes, der sich wunderbar eignen würde. Von dort aus hat man einen herrlichen Fernblick ins Erzgebirge", sagte Jung während der jüngsten Sitzung des Langenweißbacher Gemeinderates. Er versicherte, dass es sich weder um eine Trinkwasserschutzzone noch um ein Naturschutzgebiet handele.

Weil sich das Terrain auf Langenbacher Flur befindet, haben die beiden Männer ihre Vorstellungen von einem Friedwald an dieser Stelle zur Gemeinderatssitzung vorgestellt. Der Langenweißbacher Rat muss dem Vorhaben zustimmen, die Kommune den Antrag auf Genehmigung beim Landratsamt stellen und anschließend die Trägerschaft über das Waldstück übernehmen.

Laut Hedtke gibt es in Sachsen einen großen Bedarf an der alternativen Bestattung. "Vor allem naturverbundene Menschen entscheiden sich für diese Beisetzungsform", sagte er. "Die biologisch abbaubare Urne wird in einem für alle öffentlich zugänglichen Wald beigesetzt. Die Grabpflege übernimmt die Natur."

Während auf deutschen Friedhöfen inzwischen mehr als 50 Prozent der Menschen anonym beigesetzt würden, seien es in den Friedwäldern nur zehn Prozent. An den Bäumen werden kleine Platten mit Namen und Lebensdaten des Verstorbenen, christlicher Symbolik oder einem Familienwappen, einem Lebensmotto oder einem Psalm angebracht. Laut Hedtke suchen sich mehr als die Hälfte der Menschen, die sich solch eine Bestattung wünschen, bereits zu Lebzeiten den Baum aus, an dessen Wurzeln sie ihre letzte Ruhestätte haben wollen. Das Waldstück auf der Gemarkung Langenbach ist vom Grünauer Weg in Hartenstein aus zugänglich. Er beginnt neben dem ehemaligen Klubhaus. Sollte dort ein Friedwald entstehen, würden ein Park- und ein Andachtsplatz gebaut und ein Rundwanderweg angelegt werden. Begonnen werde mit Bestattungen erst einmal auf einer Parzelle von ein bis zwei Hektar.


Für Bestattungen ist Einzugsgebiet im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern geplant

Die Idee der Friedwälder stammt aus der Schweiz, wo sie in den 1990er-Jahren entwickelt wurde. Der erste Friedwald in Deutschland ist 2001 in Nordhessen eröffnet worden. In Sachsen gibt es bisher nur einen in Bennewitz bei Leipzig. Ein erster Waldfriedhof für die Region ist im Callenberger Ortsteil Falken im Landkreis Zwickau geplant, aber noch nicht genehmigt.

Der Friedwald im Wildenfelser Wald auf Langenbacher Flur würde 30 Hektar groß sein. Auf dem Gelände wachsen vor allem Buchen, Eichen und Roteichen. Für Bestattungen dort ist ein Einzugsgebiet im Umkreis von 30bis 40 Kilometern vorgesehen. Die Friedwald GmbH Griesheim rechnet mit durchschnittlich zwei Beisetzungen pro Woche.

An einem Baum gibt es jeweils zehn Urnenplätze. Man kann sich für einen Platz an einem Gemeinschaftsbaum (ab 770 Euro) entscheiden oder einen Familienbaum (ab 3350 Euro) erwerben. Da der Wald 99 Jahre als Friedwald genutzt werden soll, könnten dort dann bis zu vier Generationen beerdigt werden. Die Bestattungsgebühr beträgt zurzeit 275 Euro. (vim)

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3Kommentare
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    Tohuwabohu
    08.04.2016

    Heß & Haecker (vorher.Kommentare) Denkt ihr eigentlich, dass die Leute doof sind? Was soll dieses Bevormunden? Ah ja, Hauptsache genörgelt! Wir haben mit so einem Friedwald ein Gebiet, dass mindestens 100 Jahre RUHIG und friedlich ist, nix gebaut, nix umgebaggert usw. werden darf ...und es entspricht dem (letzten) Willen vieler Menschen.

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    Heß
    05.03.2016

    Denken die Leute auch daran, dass es da keine befestigte Wege gibt. Im Winter kommt man dann gar nicht an die Grabstätten. Gerade zur Trauerbewältigung ist ein Ort wo man öfter hingehen kann sehr wichtig. Älteren Menschen wird diese Möglichkeit verwehrt.

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    Haecker
    30.01.2016

    Wissen die Leute eigentlich, dass sie dort gar nichts tun dürfen - nicht mal Blumen zum Geburts- oder Todestag ablegen? Naja, Streitereien mit Friedhofsverwaltungen über Grabmal- und Grabstättengestaltungen entfallen in Bestattungswäldern natürlich, denn dort gibt es nur eine einzige Gestaltungsvorschrift: Es ist alles verboten.



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