Marienkirche für Monate eine Baustelle

In der größten Kirche inWerdau geben derzeit Handwerker den Ton an. Bis die Gemeinde von dem Haus wieder Besitz ergreifen kann, dauert es bis Frühjahr 2021.

Werdau.

Wer auf der Bundesstraße175 an der Marienkirche vorbeifährt, bekommt von den Bauarbeiten im größten Gotteshaus der Stadt nichts mit. Selbst die Werdauer, die sich im Zentrum aufhalten, nehmen von der Großbaustelle kaum Notiz. Höchstens die Baufahrzeuge, die ab und zu auf dem Kirchplatz stehen, ziehen die Blicke der Passanten auf sich. Dabei herrscht in dem Gebäude reges Baugeschehen. Vertreter mehrerer Gewerke sind zeitgleich damit beschäftigt, das Wahrzeichen der Stadt auf Vordermann zu bringen.

Derzeit erinnert im Inneren des Gotteshauses nur wenig an eine Kirche. Der Innenraum ist komplett eingerüstet. Bis zur Decke sind es rund 15 Meter. Die Sitzbänke sind demontiert, der Altar ist mit einer schwarzen Plane verhangen. In den Gängen sind breite Gräben ausgeschachtet, in denen bereits die neuen Versorgungsleitungen verlegt worden sind. "Dabei handelt es sich um die Rohre für die Heizung, die Lüftung und die Elektrik", erklärt Pfarrer Andreas Richter.

Vergangene Woche wurden die neu verlegten Rohre mit einer Schicht von Schaumglasschotter verdeckt. "Dabei handelt es sich noch um ein recht junges Material, das erst seit wenigen Jahren im Bau eingesetzt wird. Das Schaumglas-granulat ist ein mineralischer Leichtbaustoff, der aus reinem Altglas hergestellt wird und der Wärmedämmung und Stabilisierung dient", erklärt Pfarrer Richter. Sein Wissen hat er von der Baufirma, die die Arbeiten im Gotteshaus ausführt.

Sind die Arbeiten im Untergrund abgeschlossen, beginnt die Montage der neuen Heiztechnik, die künftig im Gotteshaus für ein nahezu gleichbleibendes Klima sorgen soll. Die Fußbodenheizung, die in den Gängen eingebaut wird, soll sich mit Unterstützung eines Computer darum kümmern, dass die Temperaturen nicht unter acht Grad Celsius sinken. Damit wird zugleich gewährleistet, dass die Luftfeuchtigkeit in dem Gebäude künftig reduziert wird. "Die Kirche wird jetzt auch an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen", sagt der Pfarrer. Und: Parallel zur Fußbodenheizung erhalten die Bänke noch eine Sitzheizung, vergleichbar mit der in einem Auto. Das Hauptanliegen der Arbeiten: "Die handwerkliche Perfektion des Baumeisters Samuel Locke soll wieder sichtbar werden", sagt Richter. Restauratoren sind im Sommer 2019 bei der Entnahme von Proben an den Wänden im Kirchenschiff auf Farbreste gestoßen, die aus den Anfängen der Kirche stammen. "Ziel der Gesamtmaßnahme und der Restaurierung ist es, das Erscheinungsbild der ursprünglichen Locke-Fassung von 1764 wiederherzustellen." Locke gehörte einst zu den bedeutendsten Baumeistern in Sachsen.

Rund 1,6 Millionen Euro kosten insgesamt die geplanten Arbeiten in dem Gotteshaus. Die Finanzierung der Arbeiten ist größtenteils gesichert. "Wir erhalten unter anderem aus verschiedenen Fördermitteltöpfen, von der Landeskirche und auch der Stadt finanzielle Unterstützung. Aber wir müssen als Kirchgemeinde auch einen Eigenanteil von rund 150.000 Euro aufbringen und sind dabei auf weitere Spenden angewiesen", sagt der Pfarrer. Läuft alles nach Plan, sollen die Arbeiten im Frühjahr 2021 abgeschlossen sein. "Mein Wunsch wäre, bereits zum ersten Advent die Kirche wieder nutzen zu können. An dem Tag vor 256 Jahren wurde die Kirche geweiht", berichtet der Pfarrer. Bis dahin finden die Gottesdienste im Gemeindezentrum an der Burgstraße, nur wenige Meter von der Kirche entfernt, statt.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.