Mehr Förderung für Ehrenamtler verlangt

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann hat bei ihrer Sommertour in dieser Woche mehrere Vereine im Vogtlandkreis besucht, die alle ein bestimmtes Problem haben.

Plauen.

Wenn man mehr Leute für freiwillige Aufgaben in der Gesellschaft gewinnen möchte, dann sollten die am Ende nicht noch draufzahlen müssen. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sieht eine angemessene und bundesweite Aufwandsentschädigung und eine Anrechnung auf die Rente als Anreize, um mehr jüngere Menschen für das Ehrenamt zu interessieren. Mit dem Geld müsse man wenigstens Fahrkosten bezahlen können. Von Ehrenamtlern bekommt sie dafür Unterstützung, wie ein Pressegespräch mit Vereinsvertretern bei der Plauener Tafel der Arbeitsloseninitiative (Ali) Pausa an der Schlossstraße zeigte.

"Man muss es sich leisten können", antwortete Thomas Hohl vom Feriencamp Wieselburg in Stelzen auf die Frage von Sabine Zimmermann, ob eine Aufwandsentschädigung nötig ist. Der Naturschützer arbeitet in dem Feriencamp mit Kindern in Sachen Umweltbildung. Er ist als Lehrer tätig und komme daher nicht in finanzielle Bedrängnis. Aber: "20 bis 30 Kinder kann man nicht allein betreuen", gab er zu bedenken. Da brauche es weitere Helfer. Die müssten dann auch erst mal zu seinem Camp in Stelzen fahren, was einen finanziellen Aufwand darstelle.

Jüngere Interessenten zu gewinnen, sei bei diesen Voraussetzungen schwierig, hieß es in der Runde immer wieder. Die meisten Helfer sind im Ruhestand. Eva Hengst aus Plauen hat vor ihrer Rente beim Jobcenter gearbeitet und hilft jetzt bei der Plauener Tafel und in deren Kleiderkammer. Rentner Klaus-Dieter Söll aus Plauen arbeitet als Hausmeister im Ehrenamt immer freitags - schon mehr als zehn Jahre. Auch er hält eine angemessene Aufwandsentschädigung für Ehrenamtler für nötig. "Sie sind alle im Rentenalter", betonte Sabine Zimmermann. Die Gesellschaft verlasse sich auf ehrenamtlich betriebene Einrichtungen, leiste in dem Bereich aber zu wenig Unterstützung. Bei der Versorgung und Beratung von Arbeitslosen oder von Geringverdienern würden Pflichtaufgaben des Staates übernommen.

Weil wenig jüngere und berufstätige Helfer zu begeistern sind, konzentriert man sich auf die Neu-Rentner. "Es werden wieder Menschen älter, die brauchen eine Beschäftigung, die müssen wir ansprechen", zeigte Birgit Scholz vom Fußballverein VfB Mühltroff auf, wie die Gewinnung neuer Ehrenamtler oft stattfindet.

Eine kleine Aufwandsentschädigung gibt es im Freistaat Sachsen bereits: das Förder-Programm "Wir für Sachsen", das auf Antrag und unter bestimmten Voraussetzungen einen monatlichen Betrag von 40 Euro für Ehrenamtler ermöglicht. "Darum müssen sich die Vereine kümmern", sagte Ali-Chefin Konstanze Schumann. Sie ruft interessierte Vogtländer auf, bei der Tafel mal vorzufühlen. "Wir beißen nicht, und wenn es nichts wird, ist das auch ok". Man könne sich in vielen Bereichen ehrenamtlich engagieren.

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