Aus der Erfahrung meiner letzten drei Einsätze in Namibia kaufte ich mir für den 4. Einsatz hier in Mayana einen Internetzugang. Nun bin ich gut ausgerüstet. Alle Angaben zu den Schülern und Waisenfamilien sind auf meinem Laptop verfügbar. Abends lege ich die neuen Fotos zusammen mit den Namen der Kinder, die ich später als Bericht den Sponsoren schicken möchte, auf dem Computer ab. Das erleichtert mir vieles. Das ist eine tolle Technik.

Touristen, die teils von Kapstadt oder von Windhoek weiter nach Botswana und Simbabwe zu den Victoriawasserfällen oder auch umgekehrt reisen, übernachten gern hier in der urigen Lodge. Der große Park ist ein Vogelparadies und abends sitzt man bei den traditionellen Tänzen und dann beim Abendbrot gemütlich rund um ein  Feuer. Strom wird nur kurzzeitig am frühen Morgen und dann ab 18 Uhr erzeugt. "Haben Sie Internet", "Wo kann ich mein Handy aufladen", "Ich möchte meine Haare föhnen", sind häufig Fragen von Touristen. Zu sehen, wie hier die Welt stehen geblieben ist, wie die Menschen in ihren Kraals mit den riedgrasgedeckten Lehmhütten leben, ist die eine Seite. Doch in der Lodge angekommen, möchte man nicht auf den eigenen Wohlstand verzichten. 

Wozu braucht man im Urlaub ein Handy oder das Internet? Ist es nicht besser, einmal von allem abschalten zu können? Wir wollen es einfach nicht mehr. 

Für meine Arbeit ist diese neue Technik einfach großartig: Ich kann Berichte über meinen Einsatz ins Internet stellen und kann vor allem täglich meine Emails lesen.

Am 13.10.2011 erhalte ich abends von meiner Bank folgendes Email: "Eine Umsatzanfrage in Höhe von 90€ wurde genehmigt..." Ja, toll denke ich. Selbst das klappt jetzt im Kavangogebiet, im wahren tiefen Afrika. Doch halt, ich habe heute Geld abgehoben aber nicht 90 sondern 200 €. Wurden die Daten meiner Karte am Bankautomaten in Namibia oder vorher irgendwann im Internet ausspioniert? Ich weiß es nicht. Das bringt die neue Technik mit sich, ich kann nicht telefonieren, aber ich kann ein Mail an die Kreditbank senden. Ergebnis: Über eine französische Bahngesellschaft versuchen Betrüger mein Konto abzuräumen. Nach zwei Geldanforderungen ist nun mein Konto gesperrt. Nicht auszudenken, wenn ich in Mayana keinen Emailempfang hätte.

Die letzte Volontärin in Mayana hatte außer ihrem geschützten Zugang auf dem alten Computer der Lodge nichts übergeben. In der Hoffnung, benötigte Berichte über zu sponsernde Schüler und Familien zu finden, habe ich mich entschlossen, den 9 jährigen Enkelsohn der Wirtsleute zu bitten, den Passwortschutz aufzuheben. Innerhalb von 2 Minuten ist der Zugang frei. Beängstigend, deshalb bitte ich den Enkelsohn, den Zugang meines MacBooks zu knacken. Ich bin erleichtert. Noch ist mein Zugang sicher. "Ich schaffe es nächstes Jahr", schaut mich der Neunjährige verschmitzt an. Den Zugang und die Ordner der Volontärin habe ich gelöscht, da nichts zu ihrer Tätigkeit in Mayana enthalten war. 

 

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