Mit Monika aus Bielefeld, sie begleitet eine Reisegruppe aus Deutschland, unterhalte ich mich an der Bar. Plötzlich umschwirren uns einige Insekten. Es werden immer mehr, Hunderte, Tausende. Mit ihren großen durchsichtigen Flügeln erinnern sie mich an Libellen, aber zu so später Stunde kann das nicht sein. Der nächste Gedanke sind fliegende Ameisen. Es müssen Termiten sein. Monika bestätigt  dies.
Das Hochzeitsspektakel findet einmal im Jahr statt zwischen Ende November und Mitte Januar. Dies erfahre ich noch am selben Abend aus dem Buch "Verjagt ...Verweht...Vergessen...", geschrieben von Reinhard Friedrich, dem Buschmannexperten. Ich konnte Herrn Friedrich auf meiner Wanderreise im Jahr 2008 kennenlernen. Er zeigte uns u.a. das Labor für seine wissenschaftlichen Nachforschungen und bot uns gefrostete Termiten zum Kosten an. Sie bestehen fast nur aus Protein, schmeckten sandig und salzig. Reinhard  Friedrich ist als Kind mit Haillom-Buschmännern aufgewachsen, beherrscht ihre Sprache mit Klicklauten und hat den Buschmännern seine Farm zum Leben zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug erforscht und erfasst er alles fast Vergessene für die Nachwelt.
Reinhard Friedrich schreibt, "...zeitgleich bei allen Termitenbauten findet das Ausschwärmen statt. Die Macrotermes-Termiten schwärmen fast genau 21 Uhr aus in die Richtung einer Lichtquelle..." Das erste Foto des Hochzeitsschwarmes habe ich 21:06 Uhr aufgenommen. "Die Wetterverhältnisse müssen ideal sein" schreibt Friedrich weiter. "An einem Tag nach dem ersten Niederschlag zwischen 20-30 mm, absoluter Windstille, 20 bis 25 °C schwärmen die Prinzessinnen und Prinzen zu ihrem nur wenige Minuten dauernden Brautflug aus. Die Termiten tragen zwei paar durchsichtige, 3 cm lange und 1 cm breite Flügel." Haben die Termiten ihren Traumpartner gefunden, lassen sie sich fallen, feiern Hochzeit, stoßen ihre Flügel ab und graben gemeinsam ein Loch, wo sie einen neuen Termitenbau gründen können. Nach Friedrich gelingt es von Milliarden Insekten vielleicht nur einem Paar einen neuen Bau zu gründen. Ameisen, Geckos und Frösche warten bereits auf die Leckerbissen.
Nach etwa 30 Minuten ist das Spektakel in der n'Kwazi Lodge vorbei. Ein paar wenige Singels umkreisen noch die Lichtquellen. Der Fussboden in der Lounge ist übersät von durchsichtigen Flügeln. Die letzten Pärchen auf dem Fußboden wandern ab. Mein anfänglicher Ekel mit dem Gedanken an fliegende Ameisenhatte sich schnell von Neugier in Stolz verwandelt. Den einzigen Tag, die einzigen Minuten des Hochzeitsfluges in diesem Jahr in dieser Region habe ich miterlebt.
Danke an Monika für die erste Aufklärung über diese fliegenden Ungeheuer, danke für das starke, langanhaltende Gewitter letzte Nacht. Ich hatte bisher noch nie solche langanhaltenden Blitze gesehen, die sich wie das Geäst eines Baumes verbreiten. Danke für alle passenden äußeren Umstände nach dem starken Regen. Danke, dass ich zur Zeit in n'Kwazi sein kann.
Jetzt, wo ich meinen Tagebucheintrag beendet habe, ist es 6:20 Uhr am frühen Morgen. Ich freue mich nun auf den SwimmingPool gleich hinter meinem Bungalow.

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