Alles dreht sich

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Tatsächlich muss ich mich ins Zeug legen, denn die Hölle ist nichts für mich. Ein Geistesblitz mit diesem Inhalt hat mich getroffen, als es so heiß war im August und ich auf einer Luftmatratze über den Baggersee trieb. Ein paar Tage später stürzte ich mich auf meine ersten himmlischen Bonuspunkte. Ich fuhr mit Kind 1, Kind 2, Kind 3 und Kind 4 in einen Freizeitpark. Die letzten beiden Kinder waren ausgeliehen. Selbstverständlich hätte ich gerne mehr Leute mitgenommen, aber mein Auto war voll.

Kind 1 wollte das unbedingt. Es gibt viele Dinge, die der Junge unbedingt will. Freizeit in Freizeitparks schaffen steht ziemlich weit oben auf seiner Hitparade der kostspieligen Dödeleien. Der Junge hatte Tatsachen geschaffen, indem er seinen Freund in den größten Freizeitpark Mitteldeutschlands einlud. Das war nach einem gemeinsamen Angelausflug. Aus Dankbarkeit, dass die Kumpelfamilie mein Kind 1 zum Fischefangen mitgenommen hatte, setzte Kind 1 einen Akzent der Vorfreude. Und Kind 2 sagte, wenn Kind 1 jemanden mitnehmen dürfe, dann sei es selbstverständlich, dass Kind 2 auch jemanden mitnimmt. Ich fand die Idee gut, denn ich sah mich als Taschenträger und Zuschauer auf einer sonnigen Parkbank sitzen. Auch die Rolle des Platzhalters konnte ich mir gut vorstellen. Während sich meine Reisegruppe in bonbonfarbenen Karussells vergnügt, würde ich mich in der nächsten Schlange für sie anstellen.

Auf der Autofahrt fragte Kind 2, ob ich bei Facebook bin und was Facebook ist. „Wie WhatsApp, aber für ältere Leute“, sagte Kind 4. Ich musste lachen und verpasste die Abfahrt. Der Freizeitpark rauschte an uns vorbei oder wir an ihm, woraufhin das Stimmungsbarometer im Auto sehr schlechte Werte anzeigte.

Etwas später standen wir vor einem Gerät, das aussah wie eine überdimensionierte Schüssel. Ich musste an eine Salatschleuder denken. Es drehte sich. Sehr sehr schnell. Meine Tochter erklärte, das sei das beste Fahrgeschäft, das sie je gesehen habe. Diese Freude wollte sie mit mir teilen. Ich brachte es nicht übers Herz ihr zu sagen, dass ich drehende Karussells zum Kotzen finde. Weil mir einfiel, mit wie viel Liebe mein Vater über seinen ersten Jahrmarktbesuch erzählt. Als würde er aus seinem Gedächtnis einen Schatz auspacken. Ich erinnerte mich an dieses 30 Jahre alte Glücksgefühl, das ich hatte, wenn Rummel war und ich mir Karten für die Reitschule kaufen durfte. Ich saß neben meiner Tochter und quiekte mit ihr und starrte auf den Boden. Mir ging es schlecht. Aber das war egal.

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