Alles für den Dackel

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Der Einzige, der mit Corona aufkeimt wie Gartenkresse, ist unser Hund. Er führt jetzt das Leben, das er sich immer gewünscht hat. Er ist eine Sie, ein Minidackel, Helga, und ich habe manchmal schon von ihr geschrieben. Ein lebensbejahendes Tier, das vor Corona sein Potenzial nicht ausschöpfen konnte. Helga vergeudete viel Zeit in der abgenutzten Büroküche meines Mannes, schlief dort unter dem Tisch und belauschte Gespräche. Er nahm sie morgens mit zur Arbeit, weil sie sonst alleine wäre und fiepsen würde wie ein Rauchmelder. Schon aus Sorge, dass der Briefträger die Feuerwehr ruft, ging Helga jeden Morgen mit arbeiten. Das ist auch für Hunde nicht immer erfüllend.

Seit Monaten befindet sich diese Familie im Lockdown, so wie der Rest des Landes, nur dass sich der Dackel nicht die Bohne für den Rest des Landes interessiert. Alle Rudelmitglieder daheim, bis auf meinen systemrelevanten Mann. Helga, läuft von Zimmer zu Zimmer und sammelt Streicheleinheiten wie eine angetrunkene Männerballettgruppe beim Dorffasching. Meistens klebt sie an mir. Keine Ahnung, warum sie sich mich ausgesucht hat. Sie hat sich angewöhnt, morgens länger zu schlafen, anschließend zu fressen und weiterzuschlafen. Diesen Verdauungsschlaf verbringt sie auf meinem Schoß. Sie kommt zu mir an den Schreibtisch und tippt so lange mit dem Schnäuzchen gegen meine rechte Wade, bis ich sie auf den Schoß nehme. Sofort nimmt sie die Form eines Nackenhörnchens an und verfällt in tiefen Schlaf. Ausgerechnet mein Schoß, meine Nähe. Die anderen buhlen viel mehr um ihre Gunst. Kind 1 hat eine Speisekarte für den Dackel entworfen. Es gibt Rinderhackbällchen mit Käse und Basilikum, Rinderhackbällchen mit Leberwurst-Topping und Hühnchenleckerli im Rinderhack-Mantel. Der Junge hat dem Hund zu ehren Fensterbilder entworfen. Überall kleine Raubkopien des Dackelbildes, das eigentlich von Picasso stammt. Kind 2 bemüht sich darum, dass der Hund in jedem Zimmer mehrere Schlafplätze vorfindet, und hat deshalb hier und da Chillout-Zonen installiert. Es hat eine Loipe gespurt im Garten, damit der Dackel nicht im Schnee versinkt. Man könnte sich an die Stirn tippen und sagen, das sei übertrieben, ein Hund müsse sich dem Rudel unterordnen. Ich finde, das weiche Fell unter der Hand tut uns allen im Moment extrem gut. Um es mit den Worten von Hausmeister Krause zu sagen: „Alles für den Dackel, alles für den Klub.“

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