Es gibt Eltern, die verhandeln nicht mit ihren Kindern. Sie stellen Regeln auf und setzen deren Einhaltung konsequent durch. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Mein Mann und ich verhandeln eigentlich auch nicht mit unseren Kindern. Aber leider verhandeln unsere Kinder mit uns. Und zwar ununterbrochen. "Du gehst jetzt mal auf den Topf", sage ich nach dem Abendessen zu unserem Kleinen (2). Und das ist nicht als Vorschlag gemeint. Doch zur Antwort bekomme ich: "Nein, lieber Zähneputzen!" Sofort bin ich entwaffnet. Der Junge will freiwillig Zähne putzen! In meiner Begeisterung vergesse ich, was das bei ihm heißt: Fünf Sekunden lang die Bürste in den Mund stecken, sie fallen lassen, beim Nachputzen großes Protestgeheul erheben und dann stundenlang ausspülen, wobei der gerade angezogene Schlafanzug patschnass wird.

Immerhin besser als bei der Großen. Als sie zwei war, sagte ich ihr ebenfalls, sie solle auf den Topf gehen. Ihr Gegenvorschlag: "Nein, auf den Laptop!" Auch beim Nachtisch konnte sie knochenhart verhandeln: "Ich will noch Apfelmus!" "Okay, ein bisschen." "Nein, viel!" "Ein bisschen." "Ein bisschen viel!"

Inzwischen ist die Große fünf und hat gelernt, ihre Verhandlungsposition mit Sachargumenten zu stärken. Zum Beispiel, als sie für sich und ihren Bruder jeweils ein Pixi-Buch aussuchen durfte. Sofort überzeugte sie mich davon, dass der Kleine unbedingt ein Prinzessinnen-Buch brauchte (das ihr zufälligerweise auch gefiel). Schließlich kam darin ein Baby vor, und er interessiert sich doch gerade so für Babys.

Und wenn man die Mutter schon nicht ganz rumkriegt, versucht man wenigstens, das Maximum herauszuholen. Zum Beispiel bei der Planung des sechsten Geburtstages, der im Januar ansteht – es ist also höchste Zeit, sich eingehend damit zu beschäftigen. "Ich lade sieben Kinder ein", sagt das Mädchen. "Höchstens sechs", erwidert die auch Mama genannte Spielverderberin. Die Antwort: "Okay, dann sechseinhalb!"
Besser ist es aber, man schlägt die Erwachsenen mit ihren Waffen. Motto: Ich habe ein Stück Möhre gegessen. Das ist gesund. Dafür bekomme ich jetzt eine Süßigkeit.

Ich tröste mich damit, dass das Verhandeln die Kinder aufs Leben vorbereitet. Das besteht doch schließlich aus unterschiedlichen Interessen und aus Kompromissen. Wer argumentieren kann, ist im Vorteil. Deshalb wird bei uns im Haus verhandelt. Und damit basta!

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