Weil Ehrlichkeit zu meinen fundamentalen Prämissen gehört, bekenne ich dies: Als ich am vergangenen Freitag in der Beilage "Wochenende" der "Freien Presse" den Artikel "Das große Anschwärzen" über die letzte Verbrennung einer Hexe in Sachsen vor 330 Jahren gelesen habe, habe ich eine Weile nachdenken müssen; also deutlich länger als beispielsweise nach der Lektüre des Artikels "Sonnenschutz mit Durchblick" über Sonnenbrillen auf derselben Seite. Irgendwann dann habe ich zu mir selbst gesagt: Schade eigentlich, die eine oder andere Zauberfrau in meinem Freundes- und Bekanntenkreis würde ich schon gern mal aufspüren und ein wenig necken und mit einer Tierfeder ganz vorsichtig so lange piesacken, bis sie mir gesteht, dass sie zur Magie gegriffen hat, um mich in ihren Bann zu ziehen. Erinnert habe ich mich an diesen Moment am frühen Morgen um kurz nach sechs aber nur deshalb, weil mich heute ein Leser auf dies aufmerksam gemacht hat, weil er es wichtige Information in dem Bericht vermisst hatte: "Die Bibelstelle, auf die sich eine jahrhundertelange Hexenverfolgung stützte, lautet: Eine Hexe sollt ihr nicht am Leben lassen (Buch Exodus 22.17)." Für den Hinweis habe ich mich natürlich bedankt, doch wollte ich auf Nummer sicher gehen, weshalb ich mal im Netzt nach dieser Stelle im Alten Testament gesucht habe.

Nun habe ich seit mehr als vier Jahrzehnten mit der christlichen Lehre nicht mehr viel am Hut, respektiere aber Menschen mit diesem Glauben uneingeschränkt, aber trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen bin ich ganz schön ins Grübeln geraten bei der Recherche nach diesem Bibelzitat, was unter anderem auch dazu geführt hat, dass ich mit dem Verdacht, dass jemand, den ich kenne, über magische oder übersinnliche Kräfte verfügt und beispielsweise noch daran glaubt, einen Frosch nach einem höchst fragwürdigen Ritual in einen Prinzen verwandeln zu können, künftig vorsichtiger und mit weiser Nachsicht umgehen möchte. Denn mir fiel tatsächlich zuerst eine alte Lebensweisheit ein: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Unmittelbar anschließend kam mir dann tatsächlich (wo auch immer er sich in meinen Gehirnwindungen versteckt hatte) ein anderer Vers aus der Bibel in den Sinn, in der Jesus eine Ehebrecherin verteidigt: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." (Johannes 8.7) Warum ich mir diese Gedanken gemacht habe? Ganz einfach: In dem Buch Exodus, auf das der Leser verwiesen hatte, gibt es nämlich auch noch die Passage über den richtigen Umgang mit Jungfrauen, und an einer Stelle heißt es: "Wenn jemand ein noch nicht verlobtes Mädchen verführt und bei ihm schläft, dann soll er das Brautgeld zahlen und sie zur Frau nehmen." (Buch Exodus 22.15) Also, liebe Hexen und Zauberinnen in meiner unmittelbaren Umgebung: Vor mir seid Ihr jetzt erst einmal sicher.

Weitere Blog-Einträge