Andergeschwisterkinder

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Mit der buckligen Verwandtschaft hat man nichts als Ärger. Jedenfalls ärgert sich der Mittlere, als ich ihm erkläre, dass ich einen „kleinen“ Bruder habe. Er kennt ihn ja auch, seinen Onkel. Trotzdem protestiert er: „Aber ich bin dein Bruder!“ Dass er und sein Bruder meine Söhne sind, will ihm nicht in den Kopf.

Es ist aber auch kompliziert. Ich erinnere mich noch an meinen Protestschrei als Kind, als meine Mutter plötzlich behauptete, meine Oma wäre ihre Mama! Kleine Kinder können sich wohl nicht vorstellen, dass ein Mensch zwei Rollen gleichzeitig ausfüllen kann.

Angeblich verstehen sie auch nicht, dass ein Gegenstand zwei Eigenschaften haben kann. Deshalb erzähle ich ihnen nicht mehr, dass Tomaten gesund sind. Denn dann würden sie ja nicht mehr gut schmecken.

Zurück zur Verwandtschaft: Mein Bruder und meine Schwester wohnen ja in „Zerrbrücken“. Dorthin kann man mit dem TGV fahren – zumindest das letzte Stück ab „Brankfurt“. Mein Sohn spricht zwar Städtenamen merkwürdig aus, aber europäische Hochgeschwindigkeitszüge kann er an der Farbe unterscheiden. Wenn wir in Saarbrücken sind, schlafen wir bei meiner Schwester und ihrem Partner, und mein Bruder ist oft zu Besuch. Weshalb der Mittlere vor Kurzem fragte, warum meine Schwester eigentlich zwei Männer hat.

Vielleicht sollte ich ihm einen Stammbaum aufmalen. Aber dann würde er wohl fragen, warum der keine Blätter hat. Auf der Seite meines Mannes haben wir ja auch noch zwei Nichten und drei Nichts – so nannte unsere Große früher die Neffen. Inzwischen hat sie aber auch verstanden, dass sie selbst eine große Schwester ist und kein großer Bruder. Obwohl sie doch zwei Brüder hat. Bei Familientreffen tauchen dann auch noch die Kinder meiner Cousinen und Cousins auf. Lange Zeit rätselte die Familie, wie man das Verwandtschaftsverhältnis der Kinder zueinander nennt. Großcousins sind es nicht, „Kleincousin“ trifft es schon eher. Das Internet brachte die Lösung: Es handelt sich um Cousins zweiten Grades, früher sprach man regional auch von Nachgeschwisterkind, Geschwisterenkel oder Andergeschwisterkind. Manche Familien sagen „Cousinsferkelchen“.

Das passt auf jeden Fall, wenn ich mir so anschaue, wie die Andergeschwisterkinder manchmal vom Spielplatz kommen. Sehen aus wie die Wildschweine. Sollte man also lieber von „Cousinsfrischlingen“ sprechen? Es ist aber auch kompliziert mit der Verwandtschaft.

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