Durchschnittlich einmal am Tag bekomme ich von einem Leser am Telefon einen Rechercheauftrag, den ich natürlich nicht selbst erledigen soll, sondern auf jeden Fall an meine Kollegen in der Redaktion weitergeben muss. Aber so ultimativ und mit der Androhung von (für die Zeitung, nicht für mich) verheerenden Konsequenzen wie diese, war in den vergangenen Wochen und Monaten keine andere mir und den Redakteuren gestellte Aufgabe. Das Gespräch dauerte auch nur etwas mehr als eine Minute, weshalb ich mich - auch angesichts der Dramatik - wieder mal entschieden habe, die wichtigsten Passagen wörtlich wiederzugeben. Los geht es:

 

"Es geht mir um den Bericht in der vergangenen Woche über das richtige Lagern von Obst und Gemüse, haben Sie den gelesen?"

"Nein, tut mir leid."

"Ist auch egal, Sie werden auch so verstehen, was ich meine."

"Ich gebe mir große Mühe."

"Also, das Foto zu dem Artikel zeigt einen Blick in einen Kühlschrank, und zu sehen sind unter anderem ein Salatkopf, eine Zitrone, eine Paprika und ..."

"Ich habe mir in der Zwischenzeit die Seite mit dem Bericht auf den Schirm geholt und kann das Bild jetzt auch sehen."

"Noch besser, dann frage ich Sie jetzt mal direkt: Was liegt da ganz unten in dem Gemüsefach?"

"Sieht aus wie eine Salatgurke."

"Stimmt, es ist eine Salatgurke."

"Steht in dem Text etwa, dass ..."

"Nein, im Artikel selbst kommt die Gurke gar nicht vor."

"Dann verstehe ich nicht, was Sie ..."

"Geduld, junger Mann, ich erkläre es Ihnen."

"Ich bin gespannt."

"Da Sie offenbar Zugriff auf alle Seiten haben, würde ich Sie bitten, mal die mit den Ratgeberthemen vom 21. März zu öffnen und sich anzuschauen."

"Kein Problem, eine Sekunde, E-Paper aufgemacht und ..."

"Was haben Sie aufgemacht?"

"Sorry, ich habe mit mir selbst geredet, und schon habe ich die Seite auf dem Monitor."

"Lesen Sie mir doch bitte mal die Überschrift der ersten Nachricht links oben vor."

"Gern, da steht ..."

"Hat es Ihnen sie Sprache verschlagen?"

"Nein, ich schäme mich nur ein bisschen, denn ich lese: Die Gurke hat Kühlschrankverbot."

"Richtig, da waren Ihre Kollegen wohl nicht ganz bei der Sache, klären Sie das bitte, ich möchte eine Richtigstellung in der Zeitung lesen."

"Ich gebe es gleich weiter."

"Gut, auf Wiederhören."

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