Nun zu den Hausarbeiten, die Kind 1 und Kind 2 erledigen könnten. Wenn Türöffnen als Arbeit zählt, ist das nicht besonders beliebt und wurde als Beitrag zur gerechten Arbeitsverteilung abgewählt. Es hat sich so ergeben, dass ich das übernehme.

Wenn es klingelt, rufen Kind 1 und Kind 2: „Es klingelt!!!“ Denn einmal stand ein Polizist vor der Tür, der sagte, in unserer Siedlung zögen Einbrecher herum. Ein anderes Mal klingelte Grenouille, der geistesgestörte Duftsammler aus dem „Parfum“. Jedenfalls sah der Typ so aus wie der aus dem Film. Er sagte nichts, zeigte auf seine Spendendose und schnüffelte den Duft unseres Flurs. Dummerweise hatte mein Sohn die Tür geöffnet. Er wich zurück und rief nach mir. Kurz danach standen zwei Männer mit beigefarbenen Jacken auf unserem Abstreicher und begannen ein Gespräch, das Richtung Weltuntergang ging.

Und einmal klingelten zwei Jungen. Zweitklässler, genau wie meine Tochter, die Kind 2 ist. Sie stellten sich vor als die Jungs, die in meine Tochter verliebt sind. Dann wollten sie mit ihr eine Runde Roller fahren. Kind 2 hatte aber keine Lust, weil es Jungs blöd findet. Es hatte auch keine Lust auf Liebesgeständnisse, kramte einen roten Plastikring aus der Hosentasche, ging in die Küche und warf ihn in den Müll.

„Woher hast du den?“, fragte ich.

„Hat mir Theo geschenkt. Den lieb ich auch nicht.“

Seitdem bin ich Pförtnerin. Gerade hat es geklingelt. „Es klingelt!!!“ ruft Kind 2 und erscheint in meinem Windschatten. Zusammen schreiten wir zur Tür und öffnen. Meine Tochter hätte das diesmal gerne alleine erledigt, aber das verstehe ich erst, als ich die Tür schon aufgerissen habe. Jedenfalls ist es die Freundin von Kind 2. Sie schlüpft hinein, strampelt die Schuhe von den Füßen und verkündet, wir sollen uns nicht wundern, dass ihr Bruder praktisch von der Bildfläche verschwunden ist. Aber der Bruder hat sie schlimm beleidigt, woraufhin sie das ihren Eltern gemeldet hat. Nun muss er zwölfmal die Spülmaschine ausräumen. So oft hat er seine Schwester als „Baby Born“ bezeichnet. „Hast du mitgezählt?“ , frage ich. Das Mädchen rollt sich mit dem Zeigefinger ein Löckchen ins Haar, lächelt und erklärt, es habe in dieser Sache grob geschätzt. „Meine Eltern haben unsere Küche so aufgebaut, dass mein Bruder alles bequem erreicht“, sagt die Freundin. Dann verschwindet sie mit Kind 2 an den Küchentisch, um leere Klopapierrollen mit Glitzersteinen zu veredeln.

Die Kinder mischen sich Kakao, und das Pulver rieselt auf den Fußboden wie brauner Schnee. Auftritt unseres Zwergdackels. Er leckt alles wieder sauber, während ich Zeitung lese. Fortsetzung später.

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