Dieser Leser hatte sich mir vorgestellt (mit Name, Anschrift und Lesernummer), bevor er mir sagte: "Ich bin gegen eine Plastiksteuer." Nun bin ich es gewohnt, dass ich manchmal nicht gleich weiß, worum es da gerade geht, was die Leute in der Leitung angesprochen haben, weshalb ich die Suchmaske des Archivs eigentlich immer auf habe und sofort mit dem Stichwort füttern kann, das ich gerade gehört hatte. Also tippte ich "Plastiksteuer" ein, mit diesem Ergebnis: Kein Eintrag (also kein Artikel in der Zeitung mit diesem Inhalt). Das alles dauerte weniger als fünf Sekunden, während der Mann tatsächlich (in Erwartung einer Reaktion von mir) geschwiegen hatte. Also wollte ich wissen: "Haben Sie davon in der Zeitung gelesen?". Was nun passierte ist mir zwischen zehn und zwölf alles andere als eine Seltenheit: "Nein, im Radio habe ich davon gehört. Den Sender weiß ich nicht mehr, die Sendung deshalb auch nicht. Aber das ist ja auch egal, ich bin jedenfalls gegen die Plastiksteuer." Während er mir das mitteilt, hatte ich längst die "Plastiksteuer" in die Suchmaske im Netz eingegeben und sofort erfahren, was der Anrufer meinte: Grünen-Chef Robert Habeck will die Nutzung von Kunststoffprodukten steuerlich ahnden und fordert deshalb eine Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte. Damit der Leser sich von mir gut verstanden fühlt, habe ich (wie immer in solchen Fällen) diese Frage gestellt: "Verraten Sie mir auch die Gründe?" Das hat er getan, ich fasse zusammen (der Einfachheit halber nicht in der indirekten Rede):

Hier wird der Verbraucher für etwas bestraft, was allein der Produzent zu verantworten hat. Denn den Müll verursacht nicht der Konsument, sondern die Verpackungsindustrie. Dieser Angriff auf den Verbraucher als schwächstes Glied innerhalb des Wirtschaftskreislaufes erfolgt nur deshalb, weil man die Arbeitsplätze in der für Verpackungen zuständigen Industriebereichen nicht gefährden will. Denn bestraft wird nur der Verbraucher, weil das Produkt sich verteuern wird. Es gilt das Verursacherprinzip: Diese Kostensteigerung muss der übernehmen, der die Art der Verpackung angeordnet hat. Meine Reaktion darauf: "Ich habe verstanden, aber was halten Sie von diesem Argument?" Ich fasse zusammen, in direkter Rede, schließlich ist es meine Haltung:

Der Verbraucher bemerkt, dass das Produkt teurer geworden ist, weil es jetzt wegen des Plastiks zusätzlich besteuert wird. Also überlegt er sich, dass er es dann nicht mehr kaufen will, und er entscheidet sich für eine andere Ware, die mit viel weniger oder vielleicht sogar gar keinem Plastik in der Verpackung auskommt. Dieses Produkt ist auf einmal deutlich konkurrenzfähiger gegenüber allen anderen mit einem hohen Plastikanteil in der Verpackung. Also wird es jetzt häufiger verkauft, während das der Konkurrenz in den Regalen liegen bleibt. Die Hersteller bemerken dies natürlich, weil der Umsatz sinkt, weshalb sie sich überlegen, was sie dagegen tun können. Sie haben eine Idee: Wenn die Kunden jetzt mehr Produkte kaufen, die kein Plastik in der Verpackung kaufen, dann müssen wir eben auch auf diesen Stoff verzichten, damit unsere Ware weiterhin gekauft wird. Also steigt die Zahl der Produkte mit weniger Kunststoff, weil sich das Verhalten der Verbraucher als Folge der Plastiksteuer verändert hat. Mit diesem Effekt: Es wird deutlich weniger Plastik hergestellt und verarbeitet, was auch zur Senkung des Müllberges und einer weniger großen Verschmutzung der Umwelt führt. Also ganz einfach: Statt verpacken doch gleich in eine häufig zu verwendende Tüte, Flasche oder Schachtel füllen lassen. Ich fragte den Anrufer: "Das ist auch was, oder nicht?" Nun sagte der Mann an dieser Stelle mehrere Sekunden lang nichts, bevor er mir mitteilte: "Kann sein, aber ich jedenfalls bin gegen die Plastiksteuer."

Weitere Blog-Einträge