Am Vormittag sitze ich mit Marcus am Computer in der Mayana Lodge. Desiree ist in Eile, sie will uns ein Stueck nach Mayana mitnehmen. Hals ueber Kopf schalten wir den Computer ab und eilen zu ihrem Auto. Sie setzt uns in der Naehe von Hainingas Haus ab. Dies sei etwa 8 km von n'Kwazi entfernt, sagt Marcus. Ich wundere mich zum wiederholten Mal ueber die Kilometerangaben. Bis auf die Haupstrasse und eine Nebenstrasse konnte ich keine Wege feststellen. Fuer mich sind das alles Trampelpfade zwischen den Kraals.

Ein Haus oder auch Kraal besteht aus mehreren Huetten, die im allgemeinen durch einen Zaun eingefasst sind. Die Huetten sind meist aus Holzpfosten, Lehm und Riedgras erbaut. Am Eingang des Kraals wohnt das Oberhaupt einer Familie. Es kuemmert sich um alle anstehenden Probleme. Es beauftragt die einzelnen Mitglieder einer Familie mit der Besorgung von Nahrung und Wasser, ist fuer die Schlichtung von Streit zustaendig oder kuemmert sich um die Versorgung der Kranken. Das Geld, das von einem oder mehreren Familienmitgliedern erarbeitet wird, ist fuer die gesamte Familie bestimmt. Kinder bis etwa 5 Jahre schlafen gemeinsam mit ihren Eltern in einer Huette. Tagsueber haelt die Familie sich im Freien in ihrem Kraal auf. Teilweise sind offene Unterstaende erbaut, die Schatten spenden oder auch grosse ueberdachte "Laufgitter", damit die Kleinen nicht unbeobachtet auf die Strasse laufen. Eine Huette, auf Stelzen gebaut, dient als Getreidespeicher fuer Mais oder Mahango. Meine Frage nach einer Toilette, ... Bei jedem Kraal gibt es Buesche. Valerie schwebt vor, naechstes Jahr eventuell fuer die Gemeinde einige Toiletten errichten zu lassen.

Wir besuchen an diesem Nachmittag einige Familien. Einige Villages sind sehr liebevoll gepflegt, mit Straeuchern am Zaun und Blumen rund um die Huetten. Der Unrat liegt generell ausserhalb vom Zaun. Es gibt keine woechentliche Abfallversorgung, die am Haus vorbeikommt, wie wir es gewohnt sind. Unser Weg fuehrt uns beim Foreman oder Gemeindevorsteher Berthold vorbei. Er kuemmert sich um die Belange der etwa 2250 Einwohner von Mayana. Er gibt das Maismehl an die beduerftigsten Familien aus, welches durch die Lodge organisiert wird, schreibt Erklaerungen fuer die Familien, dass Sie ihre Papiere erhalten, kuemmert sich um Zuwanderer. Er arbeitet mit Marcus Hand in Hand.

Die Sonne hat laengst ihren hoechsten Punkt ueberschritten. Ich spuere beim Sprechen, dass meine Kehle ausgetrocknet ist. In der Eile unseres Aufbruchs am Vormittag habe ich meine Wasserflasche vergessen und ebenso meine Sonnencreme. Die Haut spannt bereits am Hals. Wir laufen am Fluss entlang zurueck. Es ist reger Betrieb im und am Wasser. Eine Gruppe faengt wieder Fische, mit Moskitonetzen! Ein Junge ist auf dem Wasser mit einem Einbaum oder Mokoro unterwegs. Moechtest Du mit dem Boot zur Lodge fahren? Da kann ich nicht nein sagen. Im naechsten Moment bekomme ich es mit der Angst zu tun. Ich habe meine gute Kamera dabei, was wird, wenn wir kentern? Das Einsteigen ist relativ einfach. Im Boot befindet sich wie ueblich Wasser. Ich setze mich ohne Scheu ins Boot und Marcus kniet mit seiner hellen Hose im Einbaum im Wasser um die Balance zu halten. Meine Gefuehle wechseln zwischen Abenteuerlust und Angst um meine Kamera. Als wir am Ufer anlegen, stelle ich mich zum Entsetzen von Marcus mit meinen Schuhen ins Wasser. Die Schuhe sind leichter ersetzbar als die Kamera.

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