Am liebsten schreibe ich diese Kolumne ganz früh morgens in meinem Büro. Dort sieht es zwar aus wie bei jedem beliebigen Sachbearbeiter für Sachbearbeitung, aber ich finde diese Ödnis im Lichtschein der Neonröhren inspirierend. Ich koche mir Pfefferminztee, drehe die Heizung auf die Fünf und wühle ein Weilchen in meinem Hirn. Dann ziehe ich das heraus, was hier passen könnte und füttere damit den PC. Homeoffice bringt bei mir aber ungefähr so viel wie im Regen Wäsche aufzuhängen.

Gerade muss ich auf das nette kleine Büro verzichten. Sitze in meinem Wohnzimmer am Laptop. Klapprechner hießen die Dinger früher. Kommt bestimmt bald wieder, das Wort. Sogar pinkfarbene Pullis kommen wieder, in denen man aussieht wie ein Markierstift.

Kind 1 hat einen dieser Virusinfekte, die im Moment angesagt sind in seiner Peergroup. Der Arzt hat ihm Bettruhe verschrieben und Fiebersaft. Es braucht mich. Mir schwebt vor, während der Bettruhe des Jungen etwas über kleine Mädchen, Nagellack und Lippenstift zu schreiben. Kann mich aber nicht konzentrieren. Kind 1 liegt in meinem Hörbereich auf dem Sofa und schnipst gelangweilt mit dem Zeigefinger gegen die Teetasse. Es entsteht ein dumpfes, nervtötendes Geräusch. Ich frage den Jungen, ob er sich vorstellen könnte, auf das Geschnipse zu verzichten. Er könnte einfach ganz ruhig liegen und gelegentlich ein bisschen husten. Geht aber nicht, das Schnipsen ist Ausdruck seiner Langeweile. Meinetwegen könnte die Langeweile wiederkommen, notfalls darf sie ihre Schulterpolster mitbringen. Leider ist sie im Moment so uncool wie Heidi Klum, die Langeweile.

Ich speichere meinen Text ab und lobe Kind 1 dafür, wie vernünftig es auf dem Sofa liegt und Viren bekämpft. Das ist jetzt gemein, sagt der Junge. Er kämpfe gar nicht. Er könnte aber kämpfen, würde ich mit ihm in die Stadt fahren und ein Sturmtruppler-Kostüm kaufen. Sturmtruppler sind die weißen, kämpfenden Leute aus den Star-Wars-Filmen. Der Junge greift zu seinem Becherchen Fiebersaft und leckt es sauber. Ich fürchte, ich habe ihn überdosiert. Von 40 auf 37 in dreißig Minuten könnte man auf die Flasche schreiben. Das Kind lernt gerade etwas über Werbung in der Schule. "Man geht nicht einkaufen, wenn man krank ist", sage ich. Kind 1 schaut auf meinen Bildschirm und schält sich aus der Bettdecke. "Und warum hast du dann deinen Einkaufskorb geöffnet?"

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