Bing, und da war es: Mein schlechtes Gewissen hat ein Geräusch bekommen. Es ist dieses Bing, das mein Telefon absetzt, wenn es eine Whatsapp-Botschaft empfängt. Bilanz der letzten halben Stunde: 32 Bings. Alle 32 Whatsapp-Nachrichten von Erstklässlermüttern.

Wir sind vor ein paar Wochen zusammen eingeschult worden. Und während sich unsere Söhne und Töchter mit dem kleinen a und der 8 abmühen, existiert für die Eltern ein klassenartiges Gebilde in Form einer Whatsapp-Gruppe. Diese Gruppe rottet sich bei Bedarf virtuell zusammen. Sie würde auch Väter aufnehmen, aber eingetreten sind nur Mütter. Ich habe mich mal mit reingemacht. Ich liebe Gruppen, die nichts kosten und Aussicht auf Klatsch und Tratsch verkünden. Außerdem will ich nichts verpassen. Solche Gruppen sind praktisch für Mütter, damit sie sich Mütter-Hausaufgaben geben können. Wir können Altpapier sammeln, den gelben Pulli von Justin suchen und die abgekauten Bleistifte von Fabi.

Ich liege am Badesee, es ist Sonntag, und mein Telefon macht bing-bing-bing: „Hallo. Es ist noch etwas zeitig, aber wir sollten uns Gedanken über die Weihnachtsfeier machen. Wollen wir eine mit Eltern?“

Bing: „Ich bin sehr dafür!“

Bing: „Auf jeden Fall. So können sich die Kinder außerhalb des schulischen Rahmens besser kennenlernen und wir uns auch.“

Bing: „Wie wäre es mit einem Wintergrillen?“

Bing: „Gute Idee. Was sagt der Klassenlehrer dazu?“

Wie ich so am See liege, muss ich frösteln. Andere Mütter komponieren den Sound eines schönen ersten Schuljahres, und ich habe seit drei Wochen nicht gebügelt. Ich verbringe Zeit mit Herumliegen. Ich habe keine fremden Bleistifte gefunden, habe schon einen Eintrag im Hausaufgabenheft (Unterschrift fehlt!) und habe keine Idee für einen sinnvollen Beitrag zur Weihnachtsfeier.

„Wir könnten Glühwein mitbringen“, sagt mein Mann. „Das wird ein Kinderfest, keine Betriebsweihnachtsfeier“, sage ich. „Bing“, sagt das Telefon. Ich esse Gummibärchen, eine ganze Handvoll.

„Ich möchte auch Gummibärchen“, sagt Kind 2. Das Mädchen hat die Gabe, das Geräusch raschelnder Süßigkeitentüten herauszufiltern. Wir sitzen zusammen auf der Decke und beobachten eine Entenfamilie, die über den See schwimmt.

„Eigentlich möchte ich wieder in den Kindergarten“, sagt Kind 2.
Ich auch.

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