Das war zum Glück von Anfang an so: Hier in meinem Blog darf ich auch selbst ganz unverblümt Kritik üben, wenn mir ein Artikel in der Zeitung (aber so was von) gegen den Strich geht; inhaltlich, nicht in der Art und Weise, wie er geschrieben oder der Sachverhalt dargestellt wird. Und weil mich heute gleich drei Leser angerufen haben, um aus dem gleichen Grund ihrem Ärger mal Luft verschaffen zu können, aber nicht darauf vorbereitet waren, dass ich ihnen zu hundert Prozent zustimme, fällt es mir jetzt noch leichter, meinen eigenen Unmut in Worte zu fassen:

Es geht um den Artikel "In welchem Fleisch steckt Tierwohl?" heute auf der Seite "Rat & Leben". Zugeben muss ich, dass ich ihn nur überflogen habe, weil ich nicht riskieren wollte, dass mir beim Lesen schlecht wird. Also geht es mir auch nicht um eine fachliche Kritik hinsichtlich der in dem Bericht erläuterten Informationen über das richtige und womöglich artgerechte Halten von Tieren und die Frage, ob und inwieweit der Käufer auf der Verpackung davon erfährt. Das ist mir, ehrlich gesagt, eher egal, weil ich seit über 20 Jahren Vegetarier bin und die Fleischesser nicht bedauern möchte, wenn sie in Supermarkt gehen und sich ihren Braten oder ihr Schnitzel so billig wie möglich kaufen und es sie nicht kümmert, dass es um in einer Massentierhaltung "produziertes" Fleisch handelt. Nein, es geht mir darum: Zynischer als das Wort "Tierwohl" kann man dieses Thema überhaupt nicht auf den Punkt bringen. Anders ausgedrückt: Die Tiere sollen es doch bitte möglichst schön haben, bevor man ihnen (beispielsweise) einen Bolzen ins Gehirn schießt und mit einem Elektroschock ins Jenseits befördert. Wer sich dieses Wort ausgedacht hat, sollte ein vierwöchiges (unbezahltes) Praktikum in einem Schlachthof machen. Ein Leser meinte: "Es ist immer wieder frustrierend, die Menschheit will es nicht kapieren - in keinem Stück Fleisch an der Theke steckt Tierwohl."

So, jetzt fühle ich mich besser; aber leider nur ein bisschen.

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