Manche Mütter lieben es, für ihren Nachwuchs etwas zum Anziehen zu kaufen. Ich dagegen liebe es, wenn ein Einkauf schnell erledigt ist und wenig kostet. Gleichzeitig habe ich aber extravagante Wünsche. Neulich wollte ich für den Kleinen (1) ein einfarbiges Hemd zu seiner karierten Hose kaufen. Das Internet ist voll von gebrauchten Kindersachen. Aber ein Hemd ohne Karos, Streifen oder grinsende Autos war nicht zu finden.

Hier wird klar: Ich bin eine Spießerin. Unsere Große (6) weiß das schon lange. Sie ist der Meinung, dass die rotkarierte Leggins perfekt zum pinkgeblümten Rock passt („Das ist doch beides rosa!“), und sich das gar nicht mit dem gepunkteten Haarband beißt. Wenn es gut läuft, kann ich ihr noch das gestreifte T-Shirt ausreden. Und froh sein, dass sie wenigstens keine Socken trägt. Vielleicht liegt es an diesem Kinderlied, das sie oft singt: „Im Land der Blaukarierten sind alle blaukariert“ – und wenn sich ein Rotgetupfter in dieses Land verirrt, schicken ihn die Einheimischen weg. Nur im Land der Buntgemischten sind alle freundlich und reichen den Fremden die Hand. Das kann ich natürlich voll unterstützen. Aber müssen die Kinder deswegen herumlaufen, als wäre jeden Tag Fasching? Dann will ich auch jeden Tag einen Pfannkuchen!

Heute muss man ja schon froh sein, wenn man ein Kleidungsstück ohne geistreiche Aufschriften wie „Little Princess“, „Cutie“ oder „Little Heartbreaker“ findet. Offenbar verkauft sich auch der größte Blödsinn, solange er auf Englisch geschrieben ist. Wenn man schon überall etwas aufdrucken muss, dann hätte ich lieber eine Bedienungsanleitung für das Kind, das drinsteckt.

Immerhin habe ich beim Studieren der Aufschriften viel gelernt. Zum Beispiel, dass Batman auch mal ein Nickerchen macht (Übrigens: Ich behaupte ja nicht, ich wäre Batman. Ich sage nur: Niemand hat jemals mich und Batman im selben Raum gesehen). Zum nächsten Vorstellungsgespräch trage ich vielleicht eine Bluse mit der Aufschrift „Früher war ich eine Prinzessin, aber jetzt bin ich ein Einhorn.“

Nun ja, es ist schon gut, dass ich selten einkaufe. Ich finde es auch doof, wenn schon Kleinkinder in Bodys von Fußballvereinen stecken. Warum muss man auf diese Weise der Welt mitteilen, was man gut findet? Kinder werden zur Projektionsfläche der Vorlieben der Eltern, ob Fußball oder Punkrock. Ach, übrigens: Wo ist eigentlich das Ramones-T-Shirt? Das muss unser Sohn unbedingt mal wieder anziehen!

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