Bislang war ich davon ausgegangen, dass es der Teebeutel ist, der als wohl einmaliges Sinnbild für das ebenso komplexe wie manchmal kaum nachvollziehbare System der Müll- beziehungsweise Wertstofftrennung in Deutschland steht. Dessen war ich mir sicher, nicht zuletzt weil Otto mit seinem Sketsch "Altpapier, Altmetall und Altschnur" dies auf eine wunderbare Weise karikiert und damit auch ein bisschen der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Doch nun weiß ich, dass der Teebeutel überholt ist, denn es gibt ein neues Aushängeschild für die besondere und in diesem Sinne möglichweise sogar typisch deutsche Verfahrensweise, dass Problem der Abfallentsorgung in den Griff zu bekommen. Was es ist? Ich verrate es: der Kleiderbügel.

Denn heute hat sich der insgesamt neunte Leser bei mir gemeldet, weil er sein völliges Unverständnis zum Ausdruck bringen wollte, nachdem er den Beitrag "Kassenbons sind kein Altpapier" auf der Seite "Rat & Leben" zur Kenntnis genommen hatte. Ich zitiere die Passage, die bei allen dafür verantwortlich war, "angesichts dieser Widersinnigkeit nur noch mit dem Kopf schütten zu können". Es heißt dort in dem Absatz über den Gelben Sack beziehungsweise die Gelbe Tonne: "So gilt zum Beispiel ein Kleiderbügel, den man mit einem neuen Anzug kauft, als Verpackung und darf in den Gelben Sack. 'Derselbe Kleiderbügel – als solcher gekauft – ist hingegen Restmüll und muss auch in die entsprechende Tonne', erklärt Hasenkamp." 

Dazu ein Leser: "Dieser Kleiderbügel ohne enthält doch genauso viele wertvolle Rohstoffe, die es wieder zu verwerten gälte, wie der Kleiderbügel mit. Schwierig wird zudem die Sache, wenn das Kleidungsstück schon in der Kleidersammlung ist und man nicht mehr weiß, ob es ein Kleiderbügel mit oder ohne ist, den man entsorgen möchte."  Dieser Leser hatte sogar eine politische beziehungsweise gesellschaftliche Auswirkung ausgemacht: "Außerdem führen solche abstrusen bürokratischen, jeder Logik entbehrenden Festlegungen dazu, dass sich immer mehr Bürger sagen, dass die da oben wohl nicht mehr von dieser Welt sind." Ein ganz anderes Problem hatte dieser Anrufer: "Der ganz Artikel ist Wasser auf die Mühlen meiner Nachbarin, die ohnehin jedes Mal, wenn ich meinen Müll in die Tonne geschmissen, nachschaut, ob ich da auch nicht etwas weggeschmissen habe, dass dort nicht hinein gehört", sagte er und fügte noch hinzu: "Kürzlich hat sie mir einen Joghurt-Becher vor die Tür gestellt, der aus Versehen in der Restmülltonne gelandet war."

Zwei Dinge sind mir dabei bewusst geworden: Vermutlich seit Jahrzehnten habe ich gegen die Gebote der Mülltrennung verstoßen, weil ich Kassenbons in die Papiertonne geschmissen habe, wo sie aber nicht hingehören; mit dieser Verfehlung kann ich leben, mein nachträgliches schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen. Aber, und da stimme ich den neun Lesern zu: Bei ein und demselben Kleiderbügel zu unterscheiden, ob er in den Restmüll oder in die Gelbe Tonne gehört, nur aufgrund der Tatsache, ob er als einzelnes Produkt oder zusammen mit einem Kleidungsstück gekauft wurde - tut mir echt leid, aber das hat auch meiner Ansicht nach nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun.

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