Mit sechs Anrufen und drei Leserbriefen war auch bei mir die Resonanz auf die Plakat- und Onlinekampagne des Bundesverkehrsministers für die die Nutzung von Fahrradhelmen außergewöhnlich groß, wobei ich nicht betonen muss, dass es ausschließlich Unmut war, der bei mir angekommen ist. Unter der Überschrift "Minister verteidigt seine Kampagne" hatten meine Kollegen in der Redaktion in der vergangenen Woche auf der Seite "Politik" in einer Fotonachricht darüber berichtet, dass Andreas Scheuer (CSU) die Kritik an den leicht bekleideten, gut aussehenden Männern und Frauen mit einem Radhelm auf dem Kopf nicht nachvollziehen kann, und die Frage gestellt: Ist das sexistisch? Aber: Nicht einer der neun Leser wollte eine Antwort darauf geben, nicht einmal darüber reden, ob diese Bilder etwas anrüchig sein könnten, vielleicht das eine oder andere sogar als frauenfeindlich einzustufen sei. Der geballte und mit viel emotionalem Nachdruck bei mir angekommene Unmut war ein ganz anderer. Diesen Mann, der seinen Ärger noch gemäßigt formulierte und eine für die Veröffentlichung geeignete Wortwahl benutzte, möchte ich zitieren: "Viel bedenklicher finde ich, dass  ein Mitglied einer deutschen Regierung für eine Botschaft an die Bevölkerung unseres Landes nicht einmal mehr unsere Muttersprache benutzt. Schämen sich deutsche Politiker schon der Sprache eines Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann oder Heinrich Böll?"  Ein anderer Leser meinte: "Sind wir nun schon so weit gekommen, dass ein Bundesministerium annehmen muss, dass es die Aufmerksamkeit von Jugendlichen nur dann erreichen kann, wenn diese Anregung auf Englisch erfolgt?" Kurz noch die Erklärung, falls jemand sich nicht an den Artikel erinnert: Die Botschaft zu den wenig bekleideten Frauen und Männern mit Radhelm lautete "Looks like shit. But saves my life." Was passiert wäre, hätten die vom Verkehrsministerium beauftragten Werbeexperten sich auf die deutsche Variante festgelegt hätten und auf Plakatwänden und in Anzeigen wäre "Sieht scheiße aus ..." zu lesen gewesen, mag ich mir gar nicht ausdenken. Die Leute am Telefon habe ich übrigens gefragt, ob sie mit den Motiven ein Problem haben und sogar meinen, dass sie sexistisch seien. Auch dazu möchte ich eine (schon etwas ältere) Hüterin der deutschen Sprache zitieren: "Sieht noch ganz schnucklig aus, der junge Kerl da mit Helm, wie der da so auf dem Bett liegt ..." 

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