Manchmal führen Gespräche mit Lesern zu ein und demselben Thema dazu, vor allem wenn sie - wie heute - mit 16 Anrufern innerhalb von zwei Stunden in geballter Form bei mir ankommen, dass ich innerhalb einer meiner Grundüberzeugungen die Krise kriege und (mehr oder weniger genervt) davon ausgehe, dass ich es am liebsten ganz aus meinen Leben katapultieren möchte. Ganz konkret, um es auch jenseits einer weiteren Einleitung auf den Punkt zu bringen: Ich werde für eine längere Zeit und vielleicht für immer keine gekauften Kräutertees mehr trinken und alle mir bekannten "Kräuterhexen" (mit einem eigenen Garten oder der Passion, sich in freier Natur und weit weg von kultivierten Anbaugebieten nach den Gewächsen umzuschauen und sie zu sammeln) ansprechen, ob ich nicht den einen oder anderen Trank aus der eigenen Produktion "abstauben" kann. Soll heißen: Der Bedarf ist da, meine Adresse ist bekannt und steht jeden Tag in der Zeitung. Warum ich diese konsequente Haltung einnehme? So war das:

Um 10.01 Uhr hatte ich den ersten Leser in der Leitung, der mir seine Meinung zu der Nachricht "Pflanzengifte in Tees gefunden" auf der Seite "Rat & Leben" sagen wollte, und um 12.16 Uhr war es dann der 16. Anrufer, der seinem Ärger mal Luft machen wollte, wobei alle ausnahmslos die gleiche Kritik übten: Dies Nachricht ist unvollständig, weil man mit ihr nichts anfangen kann, wenn man die beanstandeten Tees nicht kennt und von seiner Einkaufsliste streichen kann. Zum besseren Verständnis und Einordnung dieser Beschwerden muss ich aber hinzufügen, nachdem ich die Wörter "Kräutertee" und "Pflanzengifte" in die Suchmaschine eingegeben und mit den ersten fünf Links zu tagesaktuellen Nachrichtenportalen ohne weiteres und innerhalb von Sekunden die gewünschten Informationen über die konkreten Sorten auf den Bildschirm geholt hatte: Alle Leser in der Leitung haben und nutzen kein Internet. Dass ich bereits vor Jahren aufgehört habe, solche Leute darauf hinzuweisen, dass sie mit der Weigerung, sich auf die Datenautobahn einzulassen, unweigerlich auch in Kauf nehmen müssen, dann Nachteile bei der Beschaffung von Informationen zu haben, möchte ich der Vollständigkeit halber zumindest erwähnen. Noch dies: Auf der Seite "Rat & Leben" sind morgen die Namen der beanstandeten Tees zu lesen. 

Die Erklärung, warum mich dieses Thema dann selbst so beschäftigt und zu der oben erwähnten Entscheidung gebracht hat, ist ganz einfach: Ich habe mir den Beitrag des Norddeutschen Rundfunks, der als Quelle für die Informationen auch in der Nachricht genannt wird, auf den Schirm geholt und mir dann die Mühe gemacht, den ganzen Artikel unter der Überschrift "Wieder Pflanzengifte in Tee nachgewiesen" durchzulesen, mit dem Fazit: Weil dort von Höchstaufnahmemengen und Richtwerten von mit Pflanzengiften verunreinigten Kräutertees die Rede ist, wird mir, auch wenn es sich um natürliche Gift von Unkrautpflanzen handeln soll, der Eindruck vermittelt, dass es Kräutertees, die man in Läden kaufen kann, ohne diese Rückstände offenbar nicht gibt und man selbst bei Bio-Marken davon ausgehen sollte, dass kleinste Mengen davon nachweisbar sind. Also, ganz ehrlich: Mir ist der Appetit auf Kräutertees gründlich vergangen. Was mich aber nicht von der Verantwortung freispricht und letztendlich zu dieser Frage führt: Würde ich überhaupt noch in Lebensmitteläden einkaufen können, wenn ich wüsste, wie die dort verkauften Waren hergestellt beziehungsweise welche Methoden zur Gewinnung von Rohstoffen angewandt werden? Das finde ich ganz schön ...

Weitere Blog-Einträge