Das Aua hat keine Beine

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An dieser Stelle habe ich schon mehrmals über die Fragen geschrieben, mit denen mich meine Kinder beschäftigt halten. Früher habe ich mich darüber manchmal beschwert. Doch inzwischen weiß ich: Es gibt Schlimmeres als Kinder, die Fragen stellen. Zum Beispiel Kinder, die Antworten geben.

Die Große kommt am späten Abend ins Wohnzimmer, obwohl sie eigentlich schlafen soll. Auf meine Frage, was sie da mache, erklärt sie mir, sie müsse ihren Bleistift spitzen. „Warum musst du jetzt deinen Bleistift spitzen?“, frage ich weiter. Und bekomme zur Antwort: „Weil er stumpf ist.“ Während ich überlege, was ich darauf sagen soll, ist sie schon im Bett und eingeschlafen.

Nun muss ich zugeben: Solche Antworten bekommt man meistens, wenn die Frage, die man gestellt hat, eigentlich keine Frage ist. Sondern eine versteckte Anweisung. „Könnt ihr euch nicht einigen?“, rufen genervte Eltern im Hause Hommel ihren streitenden Kindern zu. Und bekommen von der Tochter zu hören: „Ich hab schon eine Einigung gemacht!“ Mein Mann hält das für logisch: Wenn zwei sich einigen, müsste es ja eigentlich „Zweiigung“ heißen. Wenn sich aber einer mit sich selbst einigt und der andere Pech hat, dann ist es eine Einigung. So ähnlich war es auch mit der deutschen Wiedervereinigung.

Natürlich sind an frechen Kinderantworten die Eltern schuld. Weil sie sich nicht präzise ausdrücken. Wie konnte ich nur meiner Tochter sagen, sie solle die Füße von der Wand nehmen? Obwohl sie doch offensichtlich nur mit einem Fuß an der Tapete entlang schlurfte. Was sie mir auch gleich mitteilte.

Redewendungen sind eben so eine Sache. „Ist der Fuß noch dran?“, frage ich den Mittleren, der sich gestoßen hat, jammert und ein Pflaster verlangt, was ich gelinde gesagt für übertrieben halte. Er dagegen hält meine Frage für übertrieben. Selbstverständlich sei der Fuß noch dran: „Sonst würde ja das Pflaster nicht halten!“ Und wenn ein Erwachsener dann noch behauptet, das „Aua“ würde schnell weggehen, dann sollte er sich mal klarmachen, dass das „Aua“ überhaupt keine Beine hat.

So weit, so logisch. Trotzdem reißt es mit den dummen Elternfragen nicht ab. „Beschwerst du dich etwa?“, fragt der Papa beim Essen. Dabei ist nicht zu überhören, dass der Mittlere gerade im Klagemodus ist. Die Antwort des Vierjährigen: „Nein! Das war nur der Stress.“ Zum Glück bin ich nicht gestresst. Deshalb liegt es mir auch fern, mich über irgendwelche Antworten von Kindern zu beschweren.

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