Es läuft gerade ein Projekt bei uns. Kind 1 zuliebe. Der Junge mag Hühner, und ich mag meine Ruhe. Außerdem sind mir Kinder, die auf Hühner stehen, lieber als die kleinen Typen mit Handy-Implantat im Handteller.

Schon lange hält Kind 1 sehr gerne bunte Referate über die Schönheit des Haushuhns. Ich habe davon erzählt, hier an dieser Stelle. Ein Herr E. schrieb mir daraufhin in einer E-Mail, dass ich meinem Sohn Hühner ausleihen könnte. Herr E. ist der Typ Mann, der Gartenzeitschriften liest. Jedenfalls fand er in einem Gartenfachblatt die Anzeige eines Hühner-Verleihs und schickte mir diese Anzeige.

Das war sehr aufmerksam von Herrn E. Ich rief den Verleih an, der aus einer Vorstadt-Mutter und mehreren Hühner-Wohngruppen besteht. Wir suchten in ihrem Kalender nach einem Termin für die Übergabe. Es stellte sich heraus, dass die Hühner sehr wenig Zeit haben, weil sie andauernd auf Sachsen-Tournee sind. Der letzte Schrei hat im Moment Federn. Aber mein Mann ist noch nicht so weit. Er findet, Hühner kacken zu viel und machen mit ihrem Gepicke und Gescharre die Wiese kaputt. In seinem Kopf gehen die Vorurteile spazieren, wenn Kind 1 erzählt, dass es sich zum nächstbesten Anlass Hühner wünscht. Miethühner sind in unserer Situation jedenfalls der perfekte Anfang.

Ich könne das ja machen, sagte mein Mann. Aber er kümmere sich um nichts, um absolut nichts, auch nicht bei Leihhühnern. Das baute er noch ein bisschen aus und zählte auf, was er schon alles wegen uns an der Backe habe. Als Allererstes: Rasen mähen. Er dürfe sich keinen Mähroboterknecht zulegen, weil ich ihm ein schlechtes Gewissen mache. Konkret würde ich ihm vorhalten, dass Bienen mit kurzgeschorenen Rasenstummeln nichts anfangen können. Außerdem sei er der einzige, der sich um regelmäßige Mahlzeiten für die Meerschweinchen kümmere. Kind 1 und Kind 2 würden die Tierchen nur streicheln, alles andere bleibe an ihm hängen.

Ich briet ihm zum Trost ein Rumpsteak. Mit Hunger ist ja alles noch schlimmer. Dann zeigte ich ihm den Mietvertrag, den ich unterschreiben musste. Paragraf eins: Alle im Mietzeitraum gelegten Eier gehören dem Mieter. Wichtig wären auch die Paragrafen drei und fünf. Demnach haben wir kein Recht darauf, dass die Vögel Eier legen. Außerdem sind die Hühner nicht zum Verzehr gedacht und dürfen nicht geschlachtet werden. Mein Mann interpretierte den Vertrag als nächste Bürde seines Männerlebens.

Abends hielt ich meine gute Idee nicht mehr aus und erzählte meinem Sohn davon. „Toll“, sagte er. Mieten. Das bringe ihn auch nicht weiter. Fortsetzung folgt 

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