Einmal mehr ist mir heute (allerdings nur sprichwörtlich) auf die Füße gefallen, dass ich mich für Fußball so gut wie gar nicht interessiere und deshalb Artikel über diese Sportart immer erst dann lese, wenn Leser mit mir über einen bestimmten Bericht reden wollen. Mir zum Nachteil gereichte diese fehlende Affinität für Fußball heute gleich zwei Mal, denn innerhalb weniger Minuten wollten zwei Leser am Telefon mit mir über den Bericht "Neue Fotoaffäre sorgt für Wirbel" heute auf der Seite "Sport" lesen. Tatsächlich schäme ich mich diesmal wirklich, den Text nicht gelesen zu haben, weil es darin eigentlich gar nicht um Fußball geht, sondern um ein Thema, für das ich mich schon immer interessiert habe und für das ich mich mit wachsender Leidenschaft begeistern kann. Bei der Zeitungslektüre heute Morgen zwischen 6.05 und 6.45 Uhr habe ich diesen Artikel zwar registriert und mich noch über das Foto von zwei sich umarmende Männern gewundert, dann den Aufmacher auf der Seite als einen eingestuft, den ich vielleicht später noch durchlesen kann, wenn es denn erforderlich sein sollte.  Deshalb habe ich bei beiden Unterhaltungen als erstes dies gesagt und reuevoll zugegeben: "Tut mich echt leid, habe ich noch nicht gelesen, können Sie mir Ihr Anliegen trotzdem erläutern, auch wenn Sie mir kurz erklären müssen, worum es genau geht?" Beide Anrufer waren nicht sauer deswegen, haben mir ihre Meinung gesagt, während sie mir den Hintergrund in Ruhe erläutert haben. Und beide hatten sich aus demselben Grund bei mir gemeldet. "Da haben Ihre Kollegen mal wieder etwas als Skandal hingestellt, was meiner Ansicht nach, wenn überhaupt, eine kurze Notiz in der Zeitung wert gewesen wäre", sagte der eine Leser, während der andere sich dieses Sprichwortes bediente: "Da ist mal wieder aus einer Mücke ein Elefant gemacht worden, haben wir keine anderen Probleme, die tatsächlich angeprangert werden sollten?"

Zum besseren Verständnis meiner Ansicht dazu fasse ich kurz zusammen: Nach dem Spiel gegen Albanien salutieren Spieler der türkischen Nationalmannschaft vor der Ehrentribüne und stellten das Foto bei Instagram ins Netz. Die beiden deutschen Spieler Ilkay Gündogan und Emre Can haben diesen Post mit einem "gefällt mir" versehen und sind dafür an den öffentlichen Pranger gestellt worden mit dem Vorwurf, damit ein politisches Statement zum Einmarsch der türkischen Armee im Norden Syriens abgegeben zu haben, was beide Fußballer aber bestreiten und den Like offenbar auch wieder gelöscht haben. Nun der Grund, warum ich hier in meinem Blog dieses Thema überhaupt aufgreife, denn meine Meinung, die ich seit der Diskussion über das Foto von Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan mir als solche gebildet habe, ist wohl eine andere als die mehrheitlich öffentlich vertretene: Ein Fußballer und erst recht ein Nationalspieler hat wie jeder Mensch das uneingeschränkte Recht, seine Meinung frei äußern und der ganzen Welt auf jede erdenkliche Art und Weise kundtun zu dürfen, wobei jeder diese Meinung dann auch ohne Einschränkungen durchaus auch heftig kritisieren und sogar aufs schärfste verurteilen kann und darf. Aber einem Fußballer vorzuwerfen, seine angebliche Vorbildrolle zu missachten und mit einem winzig kleinen "gefällt mir" seine möglicherweise auch ein bisschen politische Einstellung zum Ausdruck zu bringen, geht meiner Ansicht nach dann doch zu weit. Eigentlich mag ich keine Sprachbilder, doch dieses drängt sich mir gerade auf: Lassen wir die Kirche doch bitte im Dorf. Für alle Fußballfans: Wir sollten den Ball hier eher flach halten.

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