Weil ich kürzlich danach gefragt wurde, möchte ich es auch hier noch einmal kurz erklären: Bei den Randnotizen aus meinen Protokollen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf, die es nach Möglichkeit jeden Freitag zum Wochenausklang hier an dieser Stelle gibt, handelt es sich ausschließlich um Themen, die nicht das Potenzial für einen eigenen Blogeintrag haben, aber meiner Ansicht nach auch nicht unter den Tisch fallen sollten, weshalb ich auch heute wieder drei kurze Geschichten zu erzählen habe:

Episode 1: Bei dieser Unterhaltung möchte ich vorab betonen, dass der Leser es in jeder Beziehung ernst gemeint hat, was er mir zu sagen hatte, was ich wiederum weiß, weil ich ihn zwei Mal ausdrücklich danach gefragt habe, er meinte: "Ich glaube fest daran, dass es Menschen gibt, die über einen siebten Sinn verfügen und deshalb Entscheidungen mit einer uns alle zunächst nicht einleuchtenden, dann aber die Zukunft positiv beeinflussenden Wirkung treffen können." An dieser Stelle schwieg er ein paar Sekunden lang, bevor er hinzufügte: "Und ich bin davon überzeugt, dass Donald Tusk so eine Person ist und wir uns alle noch wundern werden, was wir von Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin zu erwarten haben."

Episode 2: In sechs von insgesamt elf Reaktionen von Lesern auf die Nominierung von Ursula von der Leyen als neue EU-Kommissionschefin kam das Wort "Hinterzimmer" vor, wobei ich vermutlich nicht groß erklären muss, was damit gemeint ist, denn über das Zustandekommen dieses von den Staats- und Regierungschefs ausgehandelten Kompromisses bei der Suche nach einem Kandidaten für dieses Spitzenamt ist hinlänglich berichtet und nicht weniger offenkundig spekuliert worden. Ich erwähne es auch nur, weil eine Anruferin von mir wissen wollte: "Keine Ahnung, aber ich würde mich in einer solchen Runde in einem Hinterzimmer nicht wohl fühlen, ich bin mehr der offene und nicht zu Mauscheleien neigende Typ, und Sie?" Kurz habe ich überlegt, dann gesagt: "Da sind wir uns ausgesprochen ähnlich, doch muss ich zugeben, dass es in meiner Wohnung ein Wiener Zimmer gibt und ich das schon ab und zu nutze, um mehr oder weniger nicht für die Öffentlichkeit eieignete Dinge zu tun." Nun war die Frau in der Leitung zunächst sprachlos, fand dann aber wieder Worte und fragte mich: "Wien wie die österreichische Hauptstadt?" Kurz habe ich überlegt, dann es ihr doch verraten: "Nein, das ist der Raum, in den ich alles wienere, was ich nicht ständig sehen möchte, und das geht eben niemanden etwas an."

Episode 3: Und nun noch die Meinung eines Lesers, bei der ich wieder einmal nur dies gedacht habe: Möge das Universum mir die Gabe oder Weisheit geben, dafür Verständnis zu haben, denn ich kann nicht mal ansatzweise nachvollziehen, wessen Geistes Kind der Mensch sein muss, um ein solches Urteil zu fällen. Denn zum Kosmos in Chemnitz meinte ein Mann:  "Es erscheint reichlich überinterpretiert, einen Konzertbesuch als Eintreten für Weltoffenheit und gegen rechte Gesinnungen zu werten. Brot und Spiele war bei den Römern das Motto, und auch zu DDR-Zeiten hat man gewusst, wie man das Volk mit gelegentlichen, auch westlichen Unterhaltungen halbwegs bei Laune hielt. (...) Wie viele Besucher wären denn gekommen, wenn sie die für Grönemeyer üblichen saftigen Eintrittsgelder hätten bezahlen müssen?" Ich habe diese Haltung in meinem SB-Leser-Ordner abgelegt, falls ich bei meinen Memoiren mal auch auf solche Phänomene zurückgreifen möchte. Was SB bedeutet? Nun, das erste Wort ist "Spaß" und das zweite lautet ..."

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