Dass das Durchschnittsalter der Leute, die mich anrufen und mit mir über Artikel in der "Freien Presse" reden wollen, ein eher hohes ist, würde ich niemals abstreiten wollen, warum auch, denn bei gleich zwei Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf zum Wochenausklang war ich dankbar, gerade für Senioren zu den unterschiedlichsten Themen ein Ansprechpartner sein zu können.

Episode 1: "Ich bin schon alt, besitze aber Handy, doch vielmehr als Telefonieren und eine Whatsapp schreiben, kann ich damit nicht", meinte ein Leser und fügte hinzu, ohne dass ich zu diesem Zeitpunkt schon eine Ahnung davon hatte, warum er sich bei mir gemeldet hat: "Ich wüsste nämlich nicht, wie ich mit dem Ding eine Fahrkarte lösen sollte." An dieser Stelle war ich mich sicher, dass er wegen des Artikels "Online-Ticket wird neu erfunden" angerufen hatte, und ich hätte es auch dabei bewenden lassen können, doch dann vernahm ich dies: "Also werde ich weiterhin zu viel CO2 produzieren, statt mit der Bahn zu fahren." An dieser Stelle packte mich nämlich der Ehrgeiz, und ich habe bestimmt fünf Minuten lang versucht, denn Mann in der Leitung davon zu überzeugen, dass es mit Sicherheit nicht schwieriger ist zu lernen, eine Fahrkarte mit dem Smartphone zu kaufen, als zu greifen, wie man ein Smartphone in Gang setzt und hält. Vergeblich, der Leser meinte am Ende: "Nein, was zu viel ist, ist zu viel, bei den Fahrkarten hört bei mir der Spaß auf." Manchmal würde ich gern die Welt retten, echt jetzt ...

Episode 2: Ein weiterer "schon alten" Mann hat sich in dieser Woche bei mir gemeldet: "Seit 65 Jahren habe ich die Fahrerlaubnis, schon mit 16 Jahren bin ich Wanderer-Autos auf dem Werksgelände gefahren", erzählte er mir und erklärte, dass er nach langen und reiflichen Überlegungen nun endlich eine persönliche Meinung zu einer gerade kontrovers geführten Debatte in Deutschland hat, ein meinte: "Mit der Massenmotorisierung und der angespannten Umweltsituation ist aber nun ein Zustand erreicht, der ein hohes Maß an Disziplin und den schonenden Umgang mit der Umwelt erfordert." Deshalb müssten sich alle im Interesse der Erhaltung unserer natürlichen Lebensräume ein wenig und an der Vernunft orientiert einschränken. Da habe ich gedacht, wie froh ich bin, weil offenbar immer mehr Menschen darüber nachdenken, dass der Klimawandel kein Hirngespinst ist, denn der Artikel, der den Senior veranlasst hatte, mich anzurufen, hatte die Überschrift "Bundestag lehnt Tempolimit ab".

Episode 3: Nach der Telefonnummer von Angela Merkel wurde ich schon gefragt, wobei es leicht war, die Kontaktdaten des Bundeskanzleramts im Netz zu finden und weiterzugeben, während es beim Papst, dessen Nummer ich schon mehrmals für Leute in der Leitung ermitteln durfte, schon etwas schwieriger war, immerhin hat er sein Zuhause in Italien. Diese Bitte war aber neu für mich: "Ich muss den Präsidenten des Deutschen Bundesbank anrufen, habe aber keine Nummer, und die bei der Auskunft haben mir nicht wirklich weiterhelfen können", meinte die Leserin in der Leitung und formulierte ihre Bitte: "Sie sind doch ein Mann, der alles kann, können Sie mir helfen?" Ich konnte, doch wollte ich dann natürlich dies wissen: "Warum wollen Sie ihn anrufen?" Die Frau sagte genau dies: "Ich will ihm den Marsch blasen, was fällt diesem Kerl eigentlich ein." In diesem Moment war mir klar, was sie in Rage versetzt hat: "Bundesbank plädiert für Rente mit 69 Jahren" lautete der Bericht, den sie in der Zeitung gelesen hatte.

Episode 4: Und dann habe ich heute noch eine Leserin verblüfft und für ein paar Schrecksekunden sprachlos gemacht. "Es tut mir leid, dass Sie das jetzt abkriegen, aber ich muss das unbedingt mal loswerden, sonst platze ich", erzählte sie mir zu Beginn der Unterhaltung und hat dann mächtig geschimpft über die auf mehrere Tage und Seiten verteilte umfangreiche Berichterstattung zum Exklusiv-Verkauf des Solo-Debüts "Kiox" von Kraftklub-Sänger Felix Kummer in Chemnitz. Als sie dann zu Ende geredet hatte, sagte ich dies: "Das sehe ich genauso." 

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