Der alte Mann und mein Gedanke

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Zu den Unterhaltungen mit Lesern, über die ich tatsächlich viel nachdenken muss, weil sie nicht spurlos an mir vorbeigehen und mich außerdem dazu bewegen, über meine eigenen grundsätzlichen Einstellungen zu wichtigen Themen zu sinnieren, gehören die mit älteren Menschen, die viel in ihrem Leben erlebt haben und sich dessen bewusst sind, dass man niemals aufhören sollte, sich mit dem Zeitgeschehen zu befassen und Entwicklungen kritisch zu hinterfragen. Heute hat mich ein 87-jährige Mann angerufen, der kein Internet hat, nur selten das Fernsehen nutzt, seine Informationen also ausschließlich aus dem Radio und der "Freien Presse" bekommt. Weil ich ihn danach gefragt, habe weiß ich auch, dass er sich noch nie in seinem Leben mit so etwas wie Verschwörungstheorien beschäftigt oder darüber spekuliert hat, dass etwas für ein Ereignis verantwortlich gemacht werden kann, was rational nicht nachvollziehbar ist und mit Tatsachen begründet werden kann. Sich bei mir gemeldet hatte er, weil er über den Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny reden wollte. Wir haben dann auch eine ganze Weile darüber gesprochen, was in den vergangenen Tagen und Wochen passiert ist und wie die Entwicklungen auf den politischen Bühnen dieser Welt zu bewerten sein. Ganz zum Schluss hat der Leser mir dann diese Frage gestellt: "Können wir wirklich ausschließen, dass der US-Präsident seinen Geheimdienst angewiesen hat, diesen Mann zu vergiften, damit Europa und vor allem Deutschland ihren wirtschaftlichen Druck auf Russland erhöhen und die Pipeline durch die Ostsee doch nicht zu Ende gebaut wird?" Einen Moment lang habe ich gezögert, weil mir bewusst war, dass ich eine klare Position in dieser Sache habe, die ich auch bislang nicht infrage gestellt hatte, bis ich dann, weil mein Bauchgefühl es so wollte, gesagt habe: "Nein, wirklich ausschließen dürfen es wohl nicht." Und mit einem Mal war ich mir mit dem alten Mann sicher, dass es gute Gründe gibt, sich große Sorgen zu machen, wenn Donald Trump weitere vier Jahre im Weißen Haus sitzen würde; und das hat mich wirklich überrascht. 

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