Er geht nie wieder in die Weihnachtsbaumschule, in der unsere Nachbarn herumschleichen, sagte mein Mann. Dort ist ihm zu viel Schlamm. Es gibt Glühwein, gegen den er prinzipiell nichts hat. Aber davon bekommt man so lange nachgeschenkt, bis die Bäume schön aussehen. Alle Tannen, die ohne Glühwein nett sind, haben sich unsere Nachbarn geholt. Wir sind ja jedes Jahr zu spät.

Er wollte warten, bis der Weihnachtsmarkt vorbei ist und die Stadt die Bäume verscherbelt. Da sparen wir die 30 Euro, sagte er, und das macht den Baum dann wieder schön. Kind 1 und Kind 2 bekamen das mit und schimpften. So könne man doch nicht mit ihren Gefühlen umgehen, sagte Kind 2. Das Mädchen drohte, am Heiligabend unter sein Bett zu kriechen und zu warten, bis der Zirkus vorbei ist. Also landeten wir im Weihachtsbaumwald. Zwei Tage vor dem Fest. Zwei Große, zwei Kleine, ein Zwergdackel.

Gleich am Rand bleibt mein Mann vor einer Tanne stehen. Er legte den Zollstock an. 2,12 Meter. „Der ist perfekt“, sagte er und packte seine Säge aus. Die sei die beste Säge überhaupt. Sie schneide Holz ab, als sei das Zeug Papier. „Neeeiiiinn!“, rief Kind 2. Der nicht, bloß nicht. Das Mädchen hegte den Verdacht, dass der Vater zum erstbesten Baum schritt, nur um sich die Schuhe nicht schmutzig zu machen.

Wir liefen weiter. Kind 1 begeisterte sich für eine Fichte. Es habe beschlossen, sich weihnachtsmäßig von der Masse abzuheben. „Die wächst schräg. Und sie hat nur fünf Äste“, sagte ich. „Aber sie hat die schönsten Nadeln“, sagte Kind 1. Der nicht, bloß nicht, sagte der Vater. Kind 1 zog sein Warnstreik-Gesicht und blieb stehen, Kind 2 lief mit dem Vater weiter, der Dackel wollte an Rehböhnchen schnuppern und verfing sich vor Begeisterung mit seiner Leine im Gestrüpp.

„Hier!“, rief Kind 2. Mein Mann hatte schon die Säge angelegt. Der nicht, bloß nicht, sagte ich. Zu dick und zu klein. Ich mag keine Weihnachtsbäume, die auf der Bäumchenschonung stehen wie ein durchgedrehter Diktator und ihrem Volk die Nährstoffe wegessen. Wir checkten noch sehr viele Bäume, und dann war Kind 1 weg. Es dämmerte. Da brüllte Kind 1. „HHIIEERR!“ Der Junge ist nicht gerne alleine im dunklen Wald. Er hielt Warnstreik vor der Fichte. Wir liefen zurück zum Auto und sägten irgendeinen Baum um. Die Säge blieb klemmen, wir brachen den Rest ab. Keine Ahnung, wie der Baum aussieht. Wir haben uns noch nicht getraut, das Ding aus der Garage zu holen und zu schmücken.

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