Habe mich gerade nach einem Steinpilz gebückt. Er streckte mir dürre, imaginäre Ärmchen entgegen, weil er mitwollte. Pilze sollen den Tieren ja ähnlicher sein als den Pflanzen. Und sie tauchen immer dann auf, wenn man sie nicht braucht. Ich denke nur an den Schimmelpilz, der jahrelang unbeobachtet hinter unserem Badezimmerschrank wohnte und Kinder bekam. Über andere unangenehme Pilze mag ich jetzt nicht reden.

Wir wollten nur ein bisschen im Wald Rad fahren, Kind 2 und ich. Unser Mädchensonntag. Als wir letzten Sonntag hier nach Pilzen suchten, gab es keine. Aber jetzt gibt es welche, wo wir aus anderen Gründen im Wald sind. Kind 2 rollte auf seinem Rad gemütlich einen Waldweg hinab und sang dabei: „Schatzi, schenk mir ein Footoooo. Schenk mir ein Foto von dieeer!“ Kind 2 singt gerne und laut, wenn niemand dabei ist. Ich zähle nicht, weil ich die Mutter bin. In diesem Moment winkte dieser Steinpilz vom Wegesrand, und ich schnitt ihn ab, obwohl ich ihn nicht brauchte. Was soll ich mit einem einzigen Pilz?

Das Mädchen sang dann Roy Black in Dauerschleife. „Schööön, ist es auf der Welt zu sein!“ Ihr Klassenlehrer spielt ab und zu diese Lieder, sagt meine Tochter. Er könne vermutlich nicht singen. Aber das muss nichts heißen, das erzählt sie auch von mir. Wahrscheinlich singt er besser als die Amigos und Helene Fischer zusammen.

Ich bat sie, leiser zu singen. Sonst erschrecke sie die Rehe und sorge für schlechte Laune unter den Wildschweinen, sagte ich. Da hüpfte ein Hase vor mein Rad und der nächste gute Pilz in mein Sichtfeld. Ich stieg ab, pflückte ihn und steckte ihn in den Rucksack zu seinem Kameraden. „Du kannst Pilze herbeisingen“, rief ich. Kind 2 lachte herzhaft und zirpte weiter. So ging das, bis mein Rucksack voller Pilze war.

Ich dachte über Dinge nach, die mit Pilzen verwandt sein könnten. Hier die Top drei. Der silberne Lego-Zweier: Ewig gesucht danach, als Kind 1 seinen Lieblingsroboter R2-D2 nachbauen wollte. Spät abends in den nackten Fuß eingetreten, als ich gewaschene Wäsche in den Schrank legen wollte. Annas T-Shirt: Kind 2 hatte es im Frühjahr von der Freundin ausgeliehen, und wir suchten und suchten, um es zurückzugeben. Beschämt gab ich Annas Mutter Geld statt des T-Shirts, weil wir es suchten und nicht fanden. Bis es neulich aus der Puppenkiste von Kind 2 quoll. Und Nummer eins: das Preisschild „radikal reduziert.“

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