Kinder brauchen Rituale. Dann funktionieren sie besser. Finden jedenfalls die Fachleute. Eltern brauchen aber ebenfalls Rituale. Dann funktionieren auch sie besser, findet jedenfalls der Mittlere (3). Der geht auf die Toilette und schafft es sogar, zwei Drittel seines Unterhemds wieder in die Hose zu stecken. Und dann kommt, so sicher wie das „Sei jetzt still“ in der Kirche, sein Lieblingsspruch: „Aber nicht Hände waschen!“

Noch nie habe ich ihm das Händewaschen erlassen. Trotzdem versucht er es jedes Mal. Es ist ein Ritual. Wahrscheinlich macht es ihn stark fürs Leben. Manchmal behauptet er auch: „Ich hab schon Hände gewascht!“ Obwohl ich die ganze Zeit neben ihm stand. Aber Lügen ist nun mal eine Fähigkeit, die Kinder erst mit vier Jahren erlernen. Ich muss mir also keine Sorgen machen.

Wichtig sind natürlich auch Einschlafrituale. Ich singe immer ein Lied, in dem die Namen der Kinder vorkommen. Dabei kuscheln wir und werden ganz ruhig. Und dann kommen die rituellen Beschwerden. Weil alle zu wenig Platz haben oder das Baby ihnen an den Haaren zieht. Danach muss ich noch für Großeltern, Onkel, Tanten, Pflanzen und Tiere singen. Auf diese Weise kann sich ein Einschlafritual lange hinziehen. Dann folgt noch die rituelle Bühnenshow, auch Theater genannt, weil der Mittlere unbedingt mit den Füßen zuerst durch die Öffnung im Gitterbett kriechen muss. Zum Einschlafen braucht er das Stoffschaf, das etwa so groß ist wie ein ausgewachsener Widder, außerdem Pferd und Elefant (zum Glück nicht in Originalgröße), sowie gelegentlich den Kipplaster und den ICE (zum Glück ebenfalls nicht in Originalgröße). Die Große teilt sich ihren Schlafplatz mit fünf Puppen. Demnächst braucht jedes Kind zwei Betten. Nur der Kleine ist genügsam: Hin und wieder darf ich sogar bei ihm im großen Bett schlafen. Verständlich, dass beim dritten Kind viele Väter nachts aufs Sofa umziehen.

Wenn alle Kinder im Bett liegen, folgen das „Du sollst noch kurz hierbleiben“-Ritual und das „Wenn jetzt nicht Ruhe ist, mach ich die Tür zu“-Ritual. Ich versuche, Gelassenheit auszustrahlen. Trotzdem bekomme ich gesagt, ich solle auf dem Teppich bleiben. Gemeint ist der Spielteppich zwischen den Betten, auf dem ich „noch kurz“ sitzen soll.

Bis jetzt haben wir es erstaunlicherweise immer geschafft, unsere Kinder zum Schlafen zu bringen. Muss wohl an den Ritualen liegen. Mir helfen sie auch: Ich falle abends ins Bett und schlafe sofort ein.

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