Dritte Kinder sind ein Fall für sich. Sie lernen so viel Blödsinn von ihren Geschwistern, dass man sich eine Leine wünscht, damit sie nicht weglaufen. Und den Blödsinn wenigstens in Reichweite der Eltern erledigen. Oder man setzt sie einfach in ihren Auto-Kindersitz und schnallt sie an. Das mag der Kleine, denn im Sitz hat er eine gute Aussicht. Sein Platz ist nämlich vorne. Wer das kritisiert, der soll mal versuchen, drei Kindersitze nebeneinander auf einer Auto-Rückbank unterbringen. Ist nicht schwer. Sondern unmöglich.

Dass eine Familie mehr als zwei Kinder haben könnte, liegt offenbar jenseits der Vorstellungskraft von Ingenieuren und Produktdesignern. Vor dem Urlaub haben wir neues Campinggeschirr bestellt. Im Internet gab es diverse Sets mit jeweils vier Tellern, Tassen, und so weiter. Für fünf Personen fanden wir: nichts. Vielleicht sollten wir uns noch drei Kinder anschaffen. Dann könnten wir zwei Sets bestellen. Und am besten auch zwei Fahrradständer fürs Auto. Die sind nämlich ebenfalls auf maximal vier Personen ausgelegt. Immerhin: Ins Zelt passen wir zu fünft, so lange die Kinder so dünn sind wie die Heringe, die man zum Abspannen benutzt. Aber wenn man immer wieder an einer Kasse steht und draufzahlt, weil die Familienkarte nur für vier gilt, fühlt man sich schon irgendwie bestraft. Dabei ist es doch ein Glück, drei Kinder zu haben. Es ist wie ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl.

Während ich so über Gewinnwahrscheinlichkeiten nachdenke, nimmt mein kleiner Superjackpot das höchste Klettergerüst auf dem Spielplatz in Angriff. Aber die unterste Stufe ist so weit oben, dass Kleinkinder gar nicht erst hochkommen. Das haben sich die Konstrukteure extra so überlegt. Unser Kleiner braucht genau drei Minuten, dann ist er oben. Beim dritten Kind rennt man nicht mehr gleich los. Schon gar nicht, wenn man eine Regenwurmmama ist, denn die können bekanntlich nicht rennen. Der Mittlere hat sich die schmeichelhafte Rolle für mich ausgedacht: "Aber nicht immer nur schimpfen!" Ich sage ihm also nur, dass er nicht rutschen soll, so lange sein Bruder im Weg steht. Zu spät, der Kleine liegt auf der Nase – und lacht. "Aua" hört man von ihm eigentlich nur, wenn man sein Gesicht wäscht. So sind sie nun einmal, die dritten Kinder.

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