Manchmal stehe (auch) ich auf der Leitung, wenn es darum geht, dass mir Leser etwas sagen wollen und ich erst ganz Ende begreife, worum es ihnen wirklich geht, weil ich zuerst nicht mitbekommen habe, dass die Einleitung mich ganz bewusst auf eine falsche Spur locken sollte. Wie in diesem Fall: Der Mann schlug vor, dass die Ordnungsbehörden zur Kontrolle der gelten Abstandsregelungen im öffentlichen Raum doch stationäre Corona-Blitzer aufstellen und auch darüber nachdenken sollten, aus der Luft mithilfe von Drohnen gegen Verstöße vorzugehen, wobei er auch noch meinte, mobile Kontrolleure in neutralen Autos an stark frequentierten Punkten wie in der Nähe von Einkaufsstätten oder Parkanlagen seien zumindest ebenso eine Überlegung wert wie unverdächtig gekleidete Wächter auf Fahrrädern. Gerade als ich davon überzeugt war, einen Leser aus der ganz speziellen K-Gruppe registrieren zu können, teilte er mir dies mit: "Im Klartext: Ich bin überzeugt, dass wir in unserer Stadt - und auf der ganzen Welt - nicht mit Obrigkeitsdenken weiterkommen, sondern mit Fairness und Empathie." An dieser Stelle habe ich dann deutlich hörbar und einem Stoßseufzer gleichend ausgeatmet. Nur als Leserbrief kann ich seine Meinung nicht veröffentlichen, weil ich befürchte, dass das einige Leute auf falsche Gedanken bringen könnte. Allerdings möchte ich auch nicht verschweigen, dass ich noch von einem anderen Leser, der sich als "international tätiger Trainier für Persönlichkeitsentwicklung" vorgestellt hatte, noch ein paar andere "wertvolle" Hinweise zur Pandemie erhalten habe. Per Mail hat er mir dann noch seine ebenso ausführlichen wie aufschlussreichen Erkenntnisse mitgeteilt, von der er überzeugt ist, dass sie einen Abdruck in der Zeitung verdient hätten. Die Entscheidung überlasse ich gern meinen Kollegen in der Redaktion, doch den einen Satz dieses Lesers möchte ich gern zitieren, weil er mich restlos überzeugt hat: "Wir brauchen wieder eine positive Kraft." In diesem Sinne: Sic fiat.

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