Es gibt sie, diese ganz besonderen Momente in meinem Leben als Leserobmann der "Freien Presse", in denen ich diese übermächtige Verantwortung spüre und die gewaltige Herausforderung annehme, also nicht davor zurückschrecke, und mich dem Anliegen des Lesers in der Leitung widme, als würde nicht nur sein, sondern auch mein Glück davon abhängen. Heute habe ich wieder einmal einen solchen Augenblick erleben dürfen. Weil dieser Anruf aus zwei Teilen bestand, es aber jetzt nur auf den ersten und kürzeren ankommt, möchte ich diesen nur wenige Sekunden dauernden Dialog im Wortlaut wiedergeben, weil er erst dann die ganze Tragweite und Bedeutung widerspiegeln kann, wenn ich keine eigenen Interpretationen mit einfließen lasse:

"Wir haben einen Brief von einem Verlag bekommen, und darin steht, dass wir eine halbe Million Euro gewonnen haben."

"Ich verstehe, wie kann ich Ihnen helfen."

"Meinen Sie nicht auch, dass das nur ein Werbetrick ist und wir gar nicht in Wirklichkeit gewonnen haben, zumal wir niemals an Lotterien oder so etwas teilnehmen?"

"Da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Ich würde den kompletten Brief einfach im Altpapier entsorgen."

"Das habe ich mich gedacht."

"Und?"

"Meine Frau glaubt mir nicht. Sie will unbedingt rubbeln und antworten."

"Dann müssen Sie sie davon überzeugen, dass das gefährlich ist, weil sie möglicherweise in eine Kostenfalle tappt."

"Habe ich versucht, sie besteht darauf."

"Nun denn, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen."

"Doch."

"Wie bitte?"

"Sie können mir helfen."

"Und wie?"

"Können Sie bitte mal mit ihr reden, vielleicht hört sie auf Sie. Sie steht übrigens gerade neben mir."

PS: Wie das Gespräch mit der Ehefrau ausgegangen ist? Sorry, aber das fällt unter meine Verschwiegenheitspflicht.

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