Es gibt einen Ort im Magen, der nur mit Eis gefüllt werden kann. Bei meinen Kindern ist dieser Ort außergewöhnlich groß: Egal, wie üppig die Mahlzeit war – Eis geht immer. Es geht auch gut als Nach-Tisch, ohne dass es einen "Tisch" vorneweg gegeben hätte. Wahrscheinlich haben die Kinder außergewöhnlich große Mägen mit besonders guten Eisverarbeitungskapazitäten, sind sozusagen anatomische Wunder. Nun ja, jeder hat seine Talente.

Nun soll es aber Menschen geben, die meinen, der Genuss beim Eisessen sei umgekehrt proportional zur Außentemperatur. Diese Menschen glauben, man könnte nur im Sommer oder maximal an warmen Frühlingstagen ein Eis essen. Eine logische Erklärung bleiben sie schuldig. Wenn dem so wäre, dann müsste man ja im Sommer seinen Kaffee kalt trinken. Und in der Übergangszeit käme nur lauwarmes Essen auf den Tisch. Davon abgesehen ist es ja im Herbst oder Winter auch manchmal warm.

Jedenfalls, wenn man gemütlich in einem gut beheizten Cafe sitzt. So hatte ich es mir neulich am Reformationstag vorgestellt. Natürlich hätten wir auch in die Kirche gehen können. Aber ich dachte mir, ein gemeinsamer Spaziergang im Sonnenschein durch den Wald, das ist ja auch eine Art Gottesdienst. Leider waren noch viele andere Gläubige unterwegs, und im Cafe am Waldrand waren alle Plätze besetzt. Wir setzten uns also draußen an einen Tisch und ich bestellte für den Mittleren (3) eine Kugel Schokoladeneis. Die Große (6) bekam zwei Kugeln, weil sie es schaffte, mir weiszumachen, an Feiertagen müsse man unbedingt mehr Eis essen als sonst. Bei welcher Temperatur wird Speiseeis eigentlich steinhart? Ich weiß es nicht. Bei vier Grad ist es jedenfalls noch wunderbar cremig. Mitten im Genießen kam ein kleines Mädchen vorbei, das mit seiner Mutter drinnen ebenfalls keinen Platz bekommen hatte. Natürlich wollte es auch sofort ein Eis. Die Mutter dagegen war der Meinung, es sei zu kalt, das Kind bereits erkältet und man könne ja zu Hause ein Eis essen. Ich verkniff mir die Frage, ob denn der Zusammenhang zwischen Eisgenuss im Freien und der Verschlimmerung einer Erkältung bereits erwiesen sei. Hätte ich die Diskussion angefangen, dann hätte ich möglicherweise auch meine These vom Eis-Magen wissenschaftlich begründen müssen. Auf solches Glatteis wollte ich mich lieber nicht begeben. Also hielt ich einfach den Mund und ließ mir meinen Pflaumenkuchen schmecken. Und dazu natürlich einen heißen Kaffee.

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