Zunächst diese Feststellung: Ich bin ein eitler, von sich eingenommener, arroganter Mensch. Bevor überhaupt der Verdacht aufkommt, möchte ich versichern, dass es sich dabei nicht um eine Selbsterkenntnis handelt, sondern ein Leser heute zu dieser Einschätzung meines Charakters kam. Das kam so: Der Mann wurde mir über das Servicecenter durchgestellt und teilte mir mit, dass er mit dem Autor eines Artikels sprechen möchte, der schon vor einigen Wochen erschienen ist. Nun weiß ich aus Erfahrung, dass das häufig Leute sind, die zu Interessenvertretungen gehören und erst über ein paar Ecken von anderen Zeitgenossen erfahren haben, dass über das sie beschäftigende Thema geschrieben worden ist, obwohl sie selbst die Zeitung gar nicht lesen und oft auch nicht im Verbreitungsgebiet der "Freien Presse" wohnen. Selbstverständlich dürfen auch solche Personen mit meinen Kollegen sprechen, aber ich möchte diese Entscheidung den Redakteuren überlassen und deshalb den Hintergrund wissen, bevor ich die Bitte dann weiterleite. Dieser Anrufer wollte sich darauf nicht einlassen und fing an, mir zu erzählen, was er von dem Artikel hält, bevor ich unterbracht und noch einmal darauf hinwies, was meine Frage ist: "Warum rufen Sie erst Wochen später an?" Seine Reaktion war diese: "Mit Ihnen rede ich nicht mehr, Sie Fatzke." Und weil ich dieses Wort zwar kenne, aber mir seiner Bedeutung nicht sicher war, habe ich nachgeschlagen: Fatzke ist ein eitler, von sich eingenommener, arroganter Mensch. Ein paar Minuten später bekam ich dann sowas wie eine Bestätigung dafür, dass da etwas dran sein könnte, denn der Mann in der Leitung hatte heute den Aufmacher "Studie: Bis 2025 wird jedes vierte Auto mit Strom fahren" gelesen und meinte: "In unserem Ort gibt es keine Ladestation, so bald wird es auch keine geben, über einen erforderlichen Anschluss verfüge ich nicht, warum sollte ich mir ein Elektroauto kaufen? Wie mir wird es vielen Menschen gehen, darüber sollten Sie mal schreiben." Seiner Ansicht nach ist die ganze Förderung der E-Autos so, als würde man ein Pferd von hinten aufzäumen, wenn man zuerst die Blechkarossen baut, bevor man ausreichend Möglichkeiten anbieten kann, diese dann auch aufladen zu können. Dann wollte er von mir noch wissen, was ich denken würde, wäre ich in seiner Lage, und ich habe wahrheitsgemäß geantwortet: "Pech gehabt." Womit sich der Kreis in diesem Blogeintrag schließt, weil er mich zwar nicht so genannt hat, wie der erste Leser, aber mir nicht weniger unterstellen wollte, für die wirklichen Probleme der "kleinen Leute" kein offenes Ohr zu haben. Gerade in dieser Sekunde, da ich zum Ende kommen möchte, bekomme ich die Mail eines Leser, und die ersten Zeile möchte ich mit den besten Wünschen für ein ebenso schönes wie erholsames Wochenende nicht vorenthalten: "Ich schreibe Ihnen, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Politik, viele Zeitungen und Medienhäuser immer mehr von einfachen Bürgern entfernen." 

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