Bei der Lektüre der heutigen Ausgabe der "Freien Presse" früh am Morgen habe ich mich (exakt um 6.43 Uhr) an einem Schluck Tee (Earl Grey mit Milch) verschluckt, weil ich mir in diesem Moment mit all den Konsequenzen ausmalten konnte und in diesem Sinn also auch musste, was mich heute zwischen zehn und zwölf erwartet, weil auf dem Foto zum Bericht "Der Missbrauch des Schäferhunds" auf der Seite "Kultur & Service" nicht nur sein vierbeiniger "treuer Freund", sondern auch Adolf Hitler selbst zu sehen ist. Aus Erfahrung weiß ich, dass das für viele Leser ein Sakrileg ist, wenn man mit den Diktator abbildet, selbst wenn es, wie schon passiert, nur ein Schauspieler ist, der in diese Rolle geschlüpft ist. Vier Leser haben es dann auch getan, den Versuch zu unternehmen, über mich beziehungsweise meine Kollegen in der Redaktion deswegen eine Eimer voll Asch auszukippen. Von den Vorwürfen möchte ich, weil die anderen dazu leider nicht geeignet sind, nur diesen einen wörtlich zitieren: "Ich bin maßlos entsetzt, dass Sie dieses Bild veröffentlichen, Geschichtsaufklärung geht auch anders." Und da bin ich uneingeschränkt ehrlich: Für diese Haltung beim Umgang mit der deutschen Gesichte fehlt mir jedes Verständnis, und das musst ich nun einfach mal loswerden. Im Gegensatz dazu, hat mich die Meinung einer Leserin zuerst überrascht, dann aber doch etwas mehr zum Nachdenken angeregt, weil sie den Mut aufgebracht hat, etwas auszusprechen, was andere vielleicht nur gedacht haben, denn ihr Kommentar zu den Äußerungen des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer ("Menschen wären bald sowieso tot") war dieser: "1933 fing es auch so an, dass man kranke Menschen für nicht mehr lebenswert einstufte und auf verschiedene Weisen schnell sterben ließ, und was daraus geworden ist, das wissen bestimmt noch einige intelligente Menschen." Dem möchte ich nichts hinzufügen.

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