Fehlermeldungen

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Alle möglichen Geräte setzen heutzutage Fehlermeldungen ab, wenn sie schwächeln. Auch mein Gehirn, sofern ich die Zeichen richtig verstehe. Es meldet Fehler S-09. Irgendwas mit der Festplatte ist nicht in Ordnung. Mein Speicher muss erweitert werden, sonst können Daten verloren gehen. An solchen Sachen merkt man den 09er: Man kämpft sich morgens durch sein schlafzerknittertes Gesicht, richtet es her, fährt zur Arbeit und bekommt kurz vorm Ziel Achselschweiß, fest davon überzeugt, das Haarbügeleisen angeschaltet gelassen zu haben. Also wieder zurück. Unbedingt. Man würde es lebenslänglich bereuen, wenn das Haus abbrennt, nur weil man selbst einen Kurzen hatte.

Ganz, ganz unangenehm jedenfalls, wenn die Cloud voll ist und deshalb Daten rausrutschen.

Ich habe in mich hineingehört und bin zu der Erkenntnis gelangt, dass gerade Wartungsarbeiten an meinem Serfer laufen. Am Zentralsurfer oben, konkret am höchsten Punkt meines Körpers. Alles muss gewartet werden. Das ist so im modernen Leben. Früher ist der Mensch nicht so alt geworden, weil er nicht gewartet wurde.

Eigentlich wird mein Surfer von Datenmüll gereinigt, wenn ich Urlaub habe. Aber jetzt ist wahrscheinlich ein Teil kaputt gegangen. Es gehen immer mal Teile kaputt, Verschleißteile. Die Muskeln bekommen Muskelkater, wenn sie überreizt sind. Aber das Gehirn? Wie erzählt es dir von seiner Inventur? Wie meines jetzt im inneren Monolog zu mir sprach: „Lass den Schlüssel liegen! Vergiss ihn“, hat es gesäuselt. Ich kam spät abends vom Mexikaner nach Hause und stellte fest, dass ich keinen Wohnungsschlüssel dabei habe. „Jetzt klingel und lerne“, säuselte mein Hirn. Ich klingelte und klopfte. Klingelte. Und klopfte. Das Dackelmädchen. Unser Dackelmädchen. Ich rief seinen Namen, rief „Helga“ und „Hackfleisch“, weil das Tier bei „Hackfleisch“ einen Bell-Flash bekommt. Aber der Hund schlief. Die Tatsache, dass Kind 1 und Kind 2 bei der Oma waren und der Vater sich nachts Stöpsel ins Ohr schiebt, machte mich vorübergehend obdachlos. Bis die Nachbarn mich auf ihr Sofa legten.

Am nächsten Tag brauchte ich Kosmetik für mein wartungsbedürftiges Gesicht und ging ins Fachgeschäft. Kaufte ein. Erst recht jetzt. Überall Schlussverkauf und coronatraurige Verkäuferinnen. Deshalb kaufte ich hier und da. „Vergiss was“, säuselte mein Hirn. Abends merkte ich, dass ich die Kosmetik vergessen hatte, irgendwo achtlos stehengelassen. „Ich bin an der Kapazitätsgrenze“, jammerte ich. Dann kam Kind 1 und sagte, was ich ihm in düsteren Momenten zu sagen pflege: „Lernen durch Schmerz!“

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