In meinem Alter treibt man Sport oder die Celluliten stehen Schlange. Sie freuen sich darauf, die Oberfläche deines Körpers zur Mondlandschaft zu machen. Hier ein Krater, da eine bizarre Formation und dort eine fortgeschrittene Erosion. Das steht mir nicht.

Deshalb präsentierte ich Kind 1 und Kind 2 das Projekt Familienfitness. Einmal am Tag könnten wir uns ein Funktionsdress überstreifen und gemeinsam Aktivitätsminuten schrubben. Gibt es etwas Besseres, als mit der Mutter eine Fahrrad-Feierabendrunde zu drehen? Mein Mann konnte an dieser Stelle nicht an meinem kleinen Vortrag teilnehmen. Er stellt sich immer tot, wenn er abends nach Hause kommt.

Kind 2 war sofort dagegen. Das sei ihr zu anstrengend, erklärte meine Tochter. Sie sei viel zu jung dafür, ihren achtjährigen Körper dermaßen zu ärgern. Ich fragte sie, weshalb sie sich bitteschön zum Geburtstag so ein hübsches Fahrrad gewünscht habe, wenn sie es nicht benutze. Kind 2 lächelte süffisant. „Damit ich fahren kann, wenn ich Bock habe“, sagte das Mädchen. Vermutlich passiert das, falls wir mal nach Holland auswandern. Kind 2 ist allergisch gegen Berge. Es sei denn, es gibt einen Lift, der es nach oben bringt. Meine Tochter verwies mich auf den vergangenen Sommer. Damals habe sie bereits unmissverständlich erklärt, dass sie Radtouren doof findet. Sie hatte ihr Rad in die Wiese geschmissen und sich daneben gesetzt.

Ich füllte Trinkflaschen, steckte Kekse ein, klatschte in die Hände und sagte: „Wir fahren zur Pferdekoppel!“ Kind 1 und Kind 2 lieben Pferde und träumen von einer Karriere als Ludger Beerbaum, was die Stimmung aus dem Keller in die Wolken klettern ließ. Kind 2 schwang sich auf den Sattel und rief: „Galopp, Galopp, Lissy!“ Am ersten Berg stellte das Kindlein fest, dass zwischen seinem türkisfarbenen Fahrrad und seinem schwarzen Lieblingspferd genau ein PS liegt. Dieses Theater mit dem anstrengenden Gestrampel mache es nicht mit, sagte Kind 2. Dann stieg es ab, nahm einen herzhaften Schluck aus der Trinkflasche und verlangte nach einem Keks. Wir standen am Straßenrand und machten Pause. Wenn wir uns umdrehten, konnten wir unser Haus sehen. Ich bot Kind 2 an, dass ich es bergauf schiebe. Ich trat in die Pedale und brachte mit dem rechten Arm Kind 2 über den Berg. Kind 2 war begeistert. So sehr, dass es die eigene Tretbewegung sofort einstellte und rief: „Galopp, Galopp, Lissy!“
Es war sehr schön für alle. Und mein Arm ist auch sehr straff jetzt.

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