Wir besitzen nur einen Fernseher. Vor zehn Jahren hätte man gesagt, das Ding ist groß. Aber für das Jetzt und Heute, da ist der Bildschirm klein. Geschrumpft, weil ringsherum alles gewachsen ist. Jedenfalls steht er im Wohnzimmer, und wenn der Black Friday bei uns klingelt und uns ein Zweit- oder Drittgerät aufschwatzen will, knalle ich die Tür zu. Dann gäbe es keine Familien-Fernsehabende mehr. Auch die kleinen Schlägereien um den Sieg bei der Filmwahl würden aussterben, und das wäre schade. Keine verbalen Unfälle, keine Kinder, die sich wütend im Bad einschließen, weil das Falsche läuft. Jeder wäre allein mit sich und seinem Wunschfilm. Wäre mir zu öde, diese Welt.

Der Gewinner von Freitagabend ist Kind 1. Der Junge hat Star-Wars-Fieber und arbeitet an einer kleinen Epidemie. Aber die Mutter, die Schwester und der Vater stoßen seine unsichtbaren Keime ab, ohne Symptome auszubrüten, nicht mal ein Schnüpfchen. Wir sitzen also auf dem Sofa, und es läuft die Episode 1. Das ist die Vorgeschichte der eigentlichen Sternenkriege, in der ein kleiner Junge durchs All reist und Jedi-Ritter werden will. So oder so ähnlich. Ich lehne mich nach hinten und nehme heimlich mein Handy. Lese Reiseangebote durch, für die Winterferien. Kind 1 sieht das und ist verärgert. Es bittet mich, das Telefon wegzulegen und aufmerksam zuzuschauen. "Sonst wirst du Star Wars nie verstehen", droht der Junge. Ich will ein vorbildliches Vorbild sein und schaffe das Telefon in die Küche. "Ich bringe Chips mit", sage ich, verschwinde und koche sehr langsam Pfefferminztee. Als ich zurückkomme, ist der Bildschirm eingefroren. "Ich habe den Film extra für dich angehalten", sagt Kind 1 und lächelt. Ich wünschte, der Junge könnte in meinen Stirnfalten Gedanken lesen.

Etwas später sitze ich wieder auf meinem Platz. Hoffe, dass sich der Star-Wars-Spannungsbogen auch für mich spannend wird. Und für Kind 2. Das Mädchen hat beschlossen, sich mit Chips zuzudröhnen. Es macht Kaugeräusche. Über diese Geräusche legt sich das Stand-by-Geräusch des Vaters, bei dem es sich um ein gleichmäßiges Schnarchen handelt. Kind 1 hält den Film wieder an, rüttelt ihn wach und erklärt, es könne das Verhalten des Vaters nicht verstehen. Daraufhin streckt sich der Vater, verschwindet im Bad und schließt sich ein. Wir warten. Lange. Wahrscheinlich sitzt er am Fenster und guckt bei den Nachbarn mit. Die haben eine große Glotze in der Stube. So groß, dass sie für uns als Zweitfernseher reicht.

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